Montag, November 09, 2009

Steinschlag

Ach du meine Güte, man wagt sich ja kaum noch an einer Mauer vorbei. Es könnte schließlich jeden Moment eine abgehalfterte Westkombo etwas über Wind aus wechselnden Richtungen trällern und das morsche Gemäuer sich sodann, in Verzweiflung über die 15. Sondersendung zum Mauerfall mit Achim Menzel, auf arglose Passanten stürzen. Kann Schabowsky nicht mal was Verwirrendes über den Blauen Bock sagen? ("Abriss? Soweit ich weiß ist das... gilt das.. also ... ab sofort!)

Während dessen entstehen in Magdeburg neue Gebäude deren Anmut ein wenig an die herbe Schönheit einer ordentlichen Grenzsicherungsanlage erinnert. Der mostrichfarbene Alptraum an der Lukasklause, alle Achtung. Gelungen insoweit aber auch die Wohnhäuser am Mückenwirt. Angesichts der eklatanten Wohnungsnot müssen die verschiedenen Nutzungen jetzt schon etwas zusammen rücken. Fröhlicher Biertischlärm und das Ruhebedürfnis der von ihrem Tagwerk ermatteten Rentner werden zukünftig für eine gewisse Grundauslastung der örtlichen Schiedsstelle sorgen. CDU- und FDP-Ratsfraktion fanden schon eine Beschränkung der Gaststätte auf "erträgliche Lautstärke" diskutierenswert. Ohoh. (Waren es nicht die Liberalen, die sich im Wahlkampf auf dem Hasselbachplatz noch zu prosteten? Alkohol ist ok, aber leise!)

Der ultimative Fluchttunnel entsteht derzeit unter den Bahnhofsbrücken. (Mit ein bisschen Pech dreht RTL da am Ende noch ein Eventmovie "Der Tunnel des Grauens" oder so.) Momentan finden die Bauaktivitäten allerdings noch virtuell statt. Die Grünen haben gegen den Tunnel geklagt. Wegen mangelnder Redezeit. Möglicherweise nicht das zentrale Problem dieses Bauwerks - andererseits: Al Capone wurde letztlich auch nur wegen Steuerhinterziehung verurteilt (In Deutschland hätte ihn sicherlich die GEZ zur Strecke gebracht.), da erscheint es naheliegend, dass der Tunnel wenn dann wegen Redezeiten oder abscheulicher Farbgebung noch ins Straucheln kommt.

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Montag, September 28, 2009

SPD auf roter Liste

Der Bundesverband der Westerwelle-Imitatoren ist wegen erheblicher Alkoholisierung der Mitglieder voraussichtlich bis in die nächste Woche nicht zu erreichen. Satireschaffende zogen nach der Bundestagswahl jubelnd auf die Straßen und forderten Kohl als Kanzler. Ja. Der dunkle Lor.. ähm ... Schwarz-Gelb ist zurück an der Macht. Man mag da jetzt nachvollziehbarer Weise in mehr oder minder komplexen Gewaltphantasien schwelgen. Die Wähler haben aber - soweit sie es trotz Wahlkampf-Sedierung bis in´s Wahllokal schafften - entschieden. So ist es. Der Auflösung des Volkes und seiner Neuwahl stehen nun einmal bedauerliche verfassungsrechtliche Hürden entgegen.

Jetzt haben wir also zu Angela Merkel auch noch einen gebrochen Englisch sprechenden Außenminister. Nicht nur wegen der zu erwartenden .. ähm .. robusten .. Afghanistanpolitik ein klarer gestreckter Mittelfinger in Richtung Bin Laden & Co.

Die Schwarz-Gelbe Morgendämmerung kam etwas überraschend, hatten sich doch alle darauf eingerichtet, dass es, solange die SPD nicht unter 5 % rutscht, irgendwie so weitergeht wie bisher. Auch in Magdeburg hatte eigentlich alles fest mit einer Siegerlage der SPD gerechnet. Burkhard Lischka (SPD) würde es schon irgendwie schaffen - notfalls laufen Sozialdemokraten in Magdeburg auch über´s Wasser. Er wurde Dritter. Nur dank eines günstigen Listenplatzes reichte es für ihn dann doch noch. Triumphieren konnte Rosemarie Hein (Linke). Auf den Fotos schaut sie ein bisschen so, als würde sie erwarten, dass gleich Frank Elstner um die Ecke kommt und "Verstehen Sie Spaß?" ruft. "Der von hier", Bernd Heynemann (CDU), bleibt tatsächlich hier. Obwohl er sich verblüffend dicht an an Platz 1 herangepirscht hatte, wurde er zunächst von der eigenen Partei und nun vom Wähler vom Platz gestellt. Vielleicht wäre der Besuch einiger Wahlforen doch hilfreich gewesen? Auf den Plätzen Koehler (FDP) und Frederking (Grüne).

Das schöne an Wahlabenden sind ja eigentlich die gequälten Äußerungen der Politik, wieso die erdrutschartigen Verluste der jeweils befragten Partei bei genauer Betrachtung als strahlender Sieg durchgehen. Leider war diesmal die SPD so schwer getroffen, dass aufmunternde Stellungnahmen nicht zu erhalten waren. Eine kleine etwas abseitige Perle brachte jedoch die MLPD hervor. Man könnte nun ja mit Fug und Recht behaupten, dass der Rückgang des Stimmenanteils im Wahlkreis Magdeburg von 0,4 auf 0,3 % zumindest kein großer Schritt hin zur Weltrevolution war. Wie wird wohl die Meldung der Partei nach diesem doch etwas durchwachsenen Ergebnis aussehen? So: "Erfolgreiche Wahlfeier der MLPD in Magdeburg!" Na also. Bier und Knabbergebäck waren rechtzeitig im proletarischen Einsatz.

Auch gelungen: Die Piraten. Während vor der Wahl noch 5%-Parolen ausgegeben wurden, wechselten die Verlautbarungen dann während der Auszählung schnell zu den absoluten Zahlen. Klingt einfach schöner. Später wurde ordentlich über 2 % bundesweit (3,3 % in Magdeburg) gejauchzt. Immerhin ist es gelungen die Stimmen der internetaffinen, männlichen, ledigen, unter dreißigjährigen Menschen ziemlich gut aus dem Bundestag rauszuhalten. Ein Bienchen erhält klar Pirat "Phil H." der der CDU bei Twitter eine vernichtende Kritik ("#CDU-") entgegenwarf: "Die CDU/CSU hat 72,2 mal so viele Mitglieder wie die Piraten aber nur 17.3 mal so viele Stimmen". Das ist wahrhaft fein errechnet. Soll sich die Merkel mal hinter die Ohren schreiben. Allerdings bräuchte die Union zwecks Erreichung des heiligen Faktors 72,2 immerhin 140,95 % der Wählerstimmen. Das gibt das deutsche Wahlrecht einfach nicht her. (Alternativ könnten CDU/CSU auch 488.816 Mitglieder feuern - der Schritt sollte aber noch mal durchdacht werden.)

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Sonntag, September 27, 2009

Klein aber naja

Es ist Bundestagswahl. Während die üblichen Verdächtigen hinlänglich bekannt sein dürften, drängen sich auch jeweils noch kleinere Parteien in das spärliche Rampenlicht. Sehr schön der umfängliche Bericht im öffentlichrechtlichen Fernsehen "Der Kampf der Kleinen." Es ist schon verblüffend, dass, wenn die Menschen unabhängig von eingefahrenen Bahnen Politik mal völlig neu denken können, eigentlich durchweg unerträgliches Gesülze entsteht. Man sollte doch meinen, dass jenseits der Kompromisse und Sachzwänge der Althergebrachten bei den "Sonstigen" zumindest annähernd mal neue Konzepte entstehen. Statt dessen ein wahres Panoptikum. Der Vertreter der PBC (Partei bibeltreuer Christen) möchte liebend gern den weiblichen Teil der Bevölkerung an Herd und/oder Bett ketten - traut sich das aber nicht so direkt zu sagen und umschreibt es als dem Wunsch der Frauen entsprechend. Hmm. Die Violetten arbeiten mit heilender Energie. Die MLPD findet für Mao und Stalin anerkennende bzw zumindest entschuldigende Worte. (Man sollte annehmen, dass bestimmte Erfahrungen nur einmal gemacht werden müssen.) DVU, NPD und Republikaner drucksen ein bisschen herum, weil sie sich zwar gerne ausländerfeindlich äußern würden, aber meinen das könnte gegenüber dem Interviewpartner irgendwie schlecht ankommen. (Sehr gelungen die Brandenburger DVU-Frau, die bereits Sachsen als weniger geschätzt betrachtet.) Die Piraten, die auf einem wahren Hype reiten und sogar durch übermotivierten Telefonterror Raabs Bundestagswahlshow in die Knie zwingen, verzichten offensiv weitgehend auf Programmatik. Neben für weite Wählerschichten unverständlichen Abhandlungen zum Spezialgebiet des Urheberrechts, müssen sie sich im wesentlichen mit den Kinderpornografie-Vorwürfen gegen ihr Mitglied Jörg Tauss beschäftigen. Eine altbekannte Gruppe namens BüSo will neue Atomkraftwerke und ein Transrapidnetz! Ah ja.

In Sachsen-Anhalt sind neben den altbekannten von SPD, Linke, CDU, FDP und Grünen allerdings nur vier weitere Problemfälle am Start: NPD, MLPD, DVU und Piraten - alle des Erklimmens der 5%-Hürde unverdächtig. Während letztere wohl nur das Ende des Urheberrechts und der modernen Unterhaltungsindustrie herbeiführen würden, wären die ersten drei bei einer Machtübernahme locker geeignet das Ende der Zivilisation an sich zu bewirken. Bei aller Zivilisationskritik - davon sollte man absehen.

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Sonntag, August 30, 2009

Wohlsein

Der Bundestagswahlkampf hat gerade verblüffend an Fahrt aufgenommen. Strahlende Sozialdemokraten feiern Landtagswahlergebnisse zwischen 10 und 25 %. (Hätte früher zu wahren Rücktrittsorgien geführt.) Auch FDP, Grüne und Linke sind glücklich - nur die CDU als stärkste Partei schaut miesepetrig drein. Ausscheidende Ministerpräsidenten gelten nuneinmal als schwervermittelbar. Irgendwie war früher die politische Landschaft übersichtlicher.

In Sachsen-Anhalt geht derweil alles seinen beschaulichen Gang. Der amüsierte Blick der politischen Öffentlichkeit richtet sich auf den Stadtrat der Stadt Staßfurt. Dort wird nämlich während (!) der Stadtratssitzung ordentlich dem Alkohol zu gesprochen. Nachvollziehbarer Weise wurden bedenken erhoben, ob Stadträte, denen man am Sitzungsende die Fahrzeugschlüssel nicht mehr aushändigen darf, zuvor noch über die örtliche Verkehrsgestaltung befinden sollten. Versuche dem ehrenamtlichen Teil der Staßfurter Stadtverwaltung während der Arbeitszeit die Pullen aus den verkrampften Händen zu reißen, scheiterten jedoch kläglich. Ein Jochen Meyenberg (Linke) sieht ein dringendes Erfordernis auch während der Stadtratssitzung sich Alkoholitäten einzuflößen: "Wenn ich zum Abend ein Bier trinken will, wird man mir als Erwachsenem das wohl noch erlauben." Tja. Wer wollte ihm seine Promille verwehren? Wer würde so herzlos sein? Gerade die Entscheidung komplexer Sachverhalte und das sachliche Abwägen von unterschiedlichen Meinungen in mehrstündigen Verhandlungen, macht sich bekanntlich entschieden besser, wenn der Diskussionspartner mit hochrotem Kopf und ins Lallen drehender Stimme die Argumentationskette der (nüchternen?) hauptamtlichen Verwaltung mit einem kräftigen Proost! unterstreicht. (Ob da hin und wieder aus alter Gewohnheit auch mal ein Toast auf die Deutsch-Sowjetische-Freundschaft ausgebracht wird?) Gerade Angelegenheit der Jugendhilfe können im nüchternen Zustand doch nicht ernsthaft erwogen werden! Vielleicht wird es ja ein liebevoll gepflegter regionaler Brauch? Wieso sollten die Mitarbeiter in den Staßfurter Amtsstuben sich bei drohenden Bürgergesprächen nicht mit ausreichend Alkohol wappnen dürfen? Möglicherweise lässt sich eine unter Alkoholeinfluss zustande gekommene städtische Satzung auch nur unter Alkoholeinfluss ordnungsgemäß umsetzen? (Ist die Linke nicht ohnehin für die Legalisierung von Drogen? Sollten sich für Angestellte im öffentlichen Dienst in Staßfurt da noch ganz andere Erfahrungspotenziale eröffnen?)

Andererseits. Es gibt Gerüchte, dass weitere ehrenamtliche Funktionsträger jetzt nach dem Staßfurter Modell verfahren wollen. Wenn ersteinmal ehrenamtliche Richter in Gerichtsprozessen beherzt die Kronkorken knallen lassen und nach einem ergreifenden Gesang ("Ein Prosit der Gemütlichkeit!") den Gerichtsreporten in die Blöcke rülpsen, dass sie als Teil der Judikative im Bierkonsum der Exekutive bzw. Legislative nicht nachstehen, sollte man die Meyenbergsche Theorie doch noch einmal kritisch hinterfragen.

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Sonntag, August 16, 2009

Die für hier

Halbtot schleppt sich der Bundestagswahlkampf durch die Republik. Auch in Magdeburg wird an der Aufforstung des Plakatwaldes gearbeitet. Bisher haben drei der Direktkandidaten Plakate ins Rennen geschickt. Etwas überraschend war das bei Ulrich Koehler (FDP). Dass sein Plakat (Stark vor Ort) die Straßen zierte, ist erst etwa 2 Monate her. Bei der Wahl zum Stadtrat gewann er zwar letztendlich ein Mandat, nahm es dann aber nicht an. Ansatzlos ein paar Wochen später das nächste Amt plakativ (Die Mitte stärken) anzustreben, ist schon recht kühn. Eine wirkliche Stärkung der Glaubwürdigkeit geht von solchen kuriosen Manövern nicht aus. Der geneigte Wähler könnte sich etwas veralbert fühlen und bezüglich der Ernsthaftigkeit des Politikangebotes Zweifel anmelden. Es gab Spekulationen, ob unter diesem Aspekt die FDP die eh nicht sonderlich chancenreiche Direktkandidatur weniger stark in den Mittelpunkt der Kampagne stellt. Naja.

Während Linke und Grüne auf dem Direktkandidatenmarkt noch nicht Gesicht zeigen, ringen die beiden Favoriten bereits um die Wählergunst. Burkhard Lischka (SPD) meint auf seinen Plakaten, es wäre Zeit für wichtige Entscheidungen. Tja, das sind die knallharten Positionen der SPD, die zu ihrem derzeitigen Triumphzug entscheidend beitragen. Bernd Heynemann (CDU) kontert mit "Der von hier". (Angesichts seiner überraschend schlechten Listenplatzierung des Kandidaten wird in CDU-Kreisen ein "Der bleibt hier" gefrotzelt.) Dass die selbst ernannte Partei der deutschen Einheit in Magdeburg mit einem nur leicht verklausulierten Anti-Wessi-Slogan auf Stimmenfang geht - oje, die Welt ist schlecht. Bernd Heynemann (Geburtsort: Magdeburg) hat seinem SPD-Kontrahenten (Geburtsort: Marsberg, NRW) ostdeutsches Geblüt "voraus". Die SPD könnte allerdings eine "Rote Socken"-Kampagne fahren. Während Heynemann auch schon auf eine SED-Mitgliedschaft zurück blicken kann, ist dieses Schicksal Burkhard Lischka, zumindest auf Grund der Gnade der sehr weit westlichen Geburt, erspart geblieben.

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Mittwoch, August 12, 2009

Früher war nicht alles schlecht

Also ehrlich - dass die sekundären Geschlechtsmerkmale von Vera Lengsfeld (CDU, Direktkandidatin in Berlin) mal größere Teile der Medien in Wallung bringen würden - gewettet hätte man darauf nicht. Mit 57 Jahren entdeckt Frau Lengsfeld ihren Körper und ist stolz wie Oskar. Sie ist sogar der Ansicht, sie hätte, wie auch die Kanzlerin, mehr zu bieten. Ein kurzes Durchzählen entblößt jedoch diese besonders dreiste Politikerlüge - sie hat Zwei! Das ist gerade so guter Durchschnitt! Sollte ihr eine Dritte wachsen - nagut, das würden man sich dann ja noch mal anschauen. Derzeit wirft ihr sehr sehr spätpubertierendes Verhalten allerdings eher die Frage auf, ob sie auch bei der Zahl der Gehirnhälften im Durchschnitt liegt oder ob es da Abstriche zu beklagen gibt. Es bleibt die Hoffnung, dass Westerwelle, Steinmeier und Co. nicht versuchen, durch eine geschickte Diskussion über die Länge ihrer primären Geschlechtsorgane das öffentliche Interesse wieder auf sich zu lenken. Eine Direktkandidatin der Linken hat bereits nachgezogen und präsentiert auf den Plakaten ihr Arschgeweih. Ohje. Also früher spielten Gesichter eine wichtigere Rolle. Früher war nicht alles schlecht.

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Samstag, Mai 09, 2009

Wussten Sie schon...

...dass es einen wahrhaft ultimativen Grund gibt zur Europawahl zu gehen? Nein, es gibt da kein Begrüßungsgeld. Viel schöner. Völlig egal was Sie wählen - jede Stimme außerhalb Bayerns ist eine Stimme gegen die CSU. Klingt komisch - ist aber so. Damit die Herren in den krachledernen Hosen die Sitzbezüge in Straßburg strapazieren dürfen, müssen sie nämlich die 5 %-Hürde nehmen. Dies sollte eigentlich kein Problem sein, würde man meinen. Allerdings liegen mir bereits die CSU-Wahlergebnisse aus 15 von 16 Bundesländern vor: CSU: 0 Stimmen. Neben einer zum Teil doch auch bedenklichen Politik ist das schlechte Abschneiden zum Beispiel auf den nordfriesischen Halligen und in der Magdeburger Innenstadt vor allem darauf zurück zuführen, dass die CSU dort nicht Antritt. Sie muss also in Bayern so viele Stimmen bekommen, dass es bundesweit für 5 % reicht. (Umgekehrt werden der CDU auch ohne Bayern erhebliche Chancen auf ein Überspringen der 5 %-Hürde attestiert.)

In der Vergangenheit hat die CSU die 5 % immer hingekriegt. Diesmal bauen sich allerdings einige Probleme auf.

1. Einige Bayern haben in letzter Zeit das Wählen der CSU vermieden!
2. In Bayern sind zur Wahl Pfingstferien. (Gute Reise!)
3. Außerhalb Bayerns finden vielerorts Kommunalwahlen statt. (Auch wenn man es in Sachen-Anhalt kaum glauben mag - das treibt andernorts die Wahlbeteiligung hoch.)

Umso stärker die Wahlbeteiligung außerhalb Bayerns, umso weniger zählen die bayerischen CSU-Stimmen in %. Wer also zum Beispiel in Sachsen-Anhalt die CDU (oder was auch immer) wählt, verschlechtert die Chancen der CSU. (Leute, da sollte doch eine 100%-Wahlbeteiligung drinne sein. Ging früher doch auch!) CDU-Wähler stehen damit vor dem etwas kuriosem Risiko, dass die Abgabe ihrer Stimme der Unionsfraktion erhebliche Verluste beibringen kann. Taktisches Zuhausebleiben wäre aber irgendwie unsportlich!

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Sonntag, Februar 08, 2009

Manna für Asien

Während der Papst zwar unfehlbar aber doch äußerst unglücklich durch die Landschaft stolpert, ein den Holocaust leugnender und die Menschenrechtserklärung ablehnender Bischof namens Richard Williamson die päpstliche PR-Abteilung in die Arme der Reformation treibt und Michel Friedman (CDU) abgehoben in Talkshows auf katholische Würdenträger eindrischt (nicht das die es nicht verdient hätten, nach seiner Kokain/Zwangsprostitutionsaffäre hatte man aber gehofft, dass er den moralinsauren Pathos ablegen und irgendwie sachlicher würde. Fehlanzeige.), fällt in Magdeburg Manna vom Himmel.

Unsere Bundesregierung ist nämlich in Geberlaune und schleudert in atemberaubender Geschwindigkeit ungerichtet Milliarden in die Landschaft. (Also mal ehrlich - die Abwrackprämie ist doch das bescheuertste Instrument seit Menschengedenken. Mit Staatsknete kaufen sich die Leute nun asiatische Kleinwagen! Werthaltige Gebrauchtwagen werden vernichtet. Ich hatte beim Finanzamt angefragt, ob ich nicht - ich kenne da einen Autohändler - dem meine Steuern einfach so geben soll und wir uns den bürokratischen Weg sparen. Waren sie aber nicht so für.)

Aber auch so eine Bundesregierung stößt beim sinnlosen Verschleudern von Steuergeld an ihre Grenzen. So verfiel man nun auf den Gedanken auch den Kommunen mal Geld zu geben. Angebliche Auflage: kein Straßenbau. (Letzterer Passus soll ja tiefe Verzweiflung ausgelöst haben. Was für einen Sinn hat Geld, wenn man es nicht in innerstädtische Kleeblattkreuzungen investieren darf?) Ob diese Maßnahme die Konjunktur ankurbelt darf man getrost bezweifeln, aber sie könnte tatsächlich manches sinnvolle Projekt zum Erfolg führen. In Magdeburg sind die Schwimmhalle Diesdorf oder die Grusonschen Gewächshäuser Kandidaten für eine freundlichen warmen Regen.

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Sonntag, Oktober 19, 2008

Sarah Sodann

Aus etwas unklaren Gründen wirkt es immer ungemein erheiternd, wenn ein Bürger Sachsen-Anhalts nach der Macht greift. So trägt die FDP immer noch schwer an Cornelia Pieper - um mal ein prägnantes Beispiel zu nennen.

Die liberale Problemkonstellation wird aber derzeit in kaum fassbarer Weise überstrahlt, verniedlicht, an die Wand gespielt! Im Zuge einer verlorenen Saalwette hat sich die Linkspartei entschlossen den Ex-Tatort-Kommissar Peter Sodann als ihren Kandidaten zur Bundespräsidentenwahl aufzustellen. Vater Abraham wollte nicht. Rio Reiser ist tot. Da war Sodann nahe liegend. Nun werden auch Berufsoptimisten wohl nicht ernstlich behaupten Sodanns Wahl wäre irgendwie wahrscheinlich. Eigentlich eine reine Symbolkandidatur - nur wofür? Das stolz verkündete Label "ein Ossi" ist, angesichts der Tatsache, dass die Bundeskanzlerin auch so ihre Erfahrungen im Staatsbürgerkundeunterricht machen durfte, nicht wirklich umwerfend. Reicht C-Klasse Prominenz allein aus? (Dann hätte sich ja Nadl angeboten - C-Klasse-Prominenz, Frau und Migrationshintergrund - das wäre es doch gewesen!)

Tja. Nun ist es ja so, dass Peter Sodann das tut was ein von seiner enormen Bedeutung für das Fortbestehen der Weltkugel überzeugter Ex-Tatort-Kommissar-Darsteller eben so tut. Er plappert - und was für lustiges Zeug! Unsere geliebte Bundesrepublik: keine Demokratie! (Na Herr Sodann, sie streben doch nicht etwa den Vorsitz über eine Diktatur an? Ts,ts,ts. Den Papst will er ganz präsidial ansächseln und ihm zwei, drei Kriegsfragen aufdrängen. Für die PDS wollte er unter keinen Umständen aktiv werden, sagt er, nicht bei diesem Namen. Er habe erst auf den neuen Namen gewartet. Klar. So ein Name ist schon wichtig. Programmatiken sind da Schall und Rauch. Natürlich versteht Peter auch die Armen. Die Reichen können das nicht. (Meine Güte zahlen die bei der ARD schlecht. Peinlicher als ein Populist ist ja nur jemand, der über einen versuchten Populismus nicht hinauskommt.)

Angesichts dieser Logorhoe hatte Focus-Online eine wachen Moment und umschrieb Peter Sodann als die Sarah Palin der Linkspartei. Tja - ist irgendwie nicht völlig abwegig. Fragt sich nur ob Gesine Schwan oder Horst Köhler den Obama macht.

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Sonntag, August 03, 2008

Wissenschaft im Wandel der Zeit

Mit Politologen die einer Partei angehören ist es ja ähnlich wie mit Ameisenwissenschaftlern die versuchen dem zu erforschenden Gemeinwesen beizutreten - es kann schon mal zwicken. Dieser Problematik entzog sich nun der Magdeburger Politikprofessor Wolfgang Renzsch. Nach 38 Jahren gab er, einem starken derzeitigen Trend folgend, sein SPD-Parteibuch ab. Interessant ist der geäußerte Beweggrund: Der Rauswurf Wolfgang Clements aus der SPD als krasser Verstoss gegen das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung. Soso. Etwas voreilig ist das schon - so für einen abgeklärten Politprof. Das Verfahren ist ja eigentlich noch nicht abgeschlossen. Bei dem allgemeinen Zuspruch der SPD-Führung für ihr Irrlicht Clement wird der am Ende sogar noch Kanzlerkandidat. (Gut das käme schon überraschend - aber hallo, es ist die SPD!)

Da auch die Volksstimme im sogleich geführten Interview bezüglich der Plötzlichkeit nach 38 Jahren nachfragte, wurde dann auch noch etwas erläutert. Die Glaubwürdigkeit der SPD sei dahin weil ..... Ypsilanti (SPD, Spitzenkandidatin in Hessen) mit der Linkspartei rummacht und Clement mit der Warnung vor der Wahl Ypsilantis (also der Stimmabgabe für die SPD, Renzschs damaliger Partei) Recht gehabt habe. Sososo. Nun will man ja der Wissenschaft nur ungern ins Handwerk pfuschen. Es sei aber angemerkt, dass Genosse Clement die Genossin Ypsilanti damals nicht wegen der Linkspartei kritisierte (sie hatte ja bei ihren Urahnen geschworen mit diesen Belzebuben nicht zusammenzuarbeiten - was allerdings geflunkert war) sondern wegen ihrer Energiepolitik (pro regenerativer, contra fossiler/atomarer Energieträger). Clement (gut bezahltes Aufsichtsratsmitglied beim Atom- und Kohlekraftwerkbetreiber RWE) hatte Ypsilanti in einem Punkt angegriffen, in welchem sie einfach nur die Mehrheitslinie ihrer Partei, er jedoch die Mehrheitslinie seines Aufsichtsrates vertrat. (Sollte Renzsch die Glaubwürdigkeit der SPD durch Clement gefährdet sehen, wäre wohl auch das wissenschaftlich nicht völlig abwegig.)

Genau genommen hatte Clement aber natürlich nicht gegen Ypsilanti sondern gegen die hessische SPD Stellung bezogen - ist ja schließlich keine Personenwahl. Selbstverständlich steht Wolfgang Clement das Recht auf freie Meinungsäußerung zu. Gerne kann er äußern, dass man die SPD unter keinen Umständen zu wählen habe. Auch Verwünschungen, das Lesen schwarzer Messen etc. - alles zulässig. Es besteht in weiten, ja deutlich überwiegenden Teilen der Bevölkerung sogar die hartnäckige Tradition die SPD nicht zu wählen (sei es nun trotz oder wegen Clement). An die Politikwissenschaft ist aber die Frage zu richten, was der Sinn einer Parteimitgliedschaft ist, wenn man im Fall des Falles nicht einmal bereit ist die bunte Truppe zu wählen? (sondern Roland Koch. Koch!!! Hier seien nur mal die Schlagworte "jüdische Vermächtnisse" und "brutalst möglicher Aufklärer" zu Zwecken der Illustration genannt.) Um es weiter zu erläutern: Selbstverständlich steht es einem Fussballspieler im Zuge seines Rechtes auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit zu, dem gegnerischen Sturm beizutreten und mit seinen Torjägerqualitäten mal überraschte Gesichter zu erzeugen. Sein gutes Recht! Möglicherweise erfährt seine Sportlerkarriere allerdings einen abrupten Abbruch. (Trainer können völlig humorfrei sein!) Dann mit dem Recht auf freie Entfaltung zu argumentieren ... naja .. Politologen machen so was vielleicht. Das Clement nicht einmal die zunächst nur ausgesprochene Rüge (DuDu) akzeptierte und sich nun als Vorkämpfer der Meinungsfreiheit versteht - es fehlen einem die Worte.

Eine Parteimitgliedschaft ist dann albern, wenn jemand über die wünschenswerte Kritik an der eigenen Parteipolitik so weit hinausgeht, dass er zur Nichtwahl seiner Partei aufruft. Selbst wenn er Recht hat - es ist dann offenkundig nicht mehr seine Partei. Wenn man politisch soweit auseinander ist, dass man sich gegenseitig nicht wählen würde - man sollte dann einfach verschiedenen Parteien angehören. Sonst wird es sehr unübersichtlich.

Aber zurück zur Parteiflucht des Professors. Er fordert eine klare Linie der SPD gegenüber der Linkspartei. Diese Linie definiert er wie folgt: "Man kann partiell mit Pragmatikern vor allem in den ostdeutschen Ländern und Kommunen zusammenarbeiten." Ähm. Tja. Da ist was dran. Das umschreibt aber wohl leider ziemlich exakt die derzeitige etwas diffuse Linie der SPD. Die klare Linie: "Linkspartei stinkt" wird man wohl (aus Sicht der SPD) nicht ernsthaft vertreten können. Weder in MeckPom noch in Berlin kam es bei Rot/Rot-Koalitionen zu revolutionären Unruhen. Genau genommen stützt die Linke in Berlin sogar Thilo Sarrazin (SPD, Finanzsenator, trägt in Wohnungen gerne dicke Pullover) gegen den Clement ja nun schon als verträumter Sozialrevolutionär durchgeht. Die klare Linie: "Im Osten immer, im Westen nimmer!" ist nun aber wirklich nur im geographischen Sinne klar. Verliert ein Linksparteifunktionär seine Satisfaktionsfähigkeit, wenn er von Marienborn (Sachsen-Anhalt) nach Helmstedt (Niedersachen) verzieht? Die SPD möchte selbstverständlich aber nicht in den Verdacht geraten mit Altstalinisten, verwirrten K-Gruppen, Maoisten etc. zu paktieren. Die Linkspartei ist ... ähm ... breit aufgestellt. (Ihr Chef war beruflich langjährig Heilsbringer einer nicht genannt sein wollenden sozialdemokratischen Partei in Deutschland, der lustigerweise auch Clement angehörte.) Was soll man, z.B. als Politologe, der SPD da raten? Es bleibt nur die Prüfung im Einzelfall: Was für Leute mit welchem Programm hat man jeweils vor sich? Das genau hat der weise Bundesvorstand der SPD beschlossen. Das ist zwar nicht sonderlich eindeutig, alles andere aber ist verlogen, da nicht einhaltbar und (schlimmer noch) es glaubt ohnehin niemand.

Wenn die SPD aber genau das macht was der SPD-Professor fordert - Wieso tritt er aus? - Ach, versteh einer Professoren.

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Dienstag, April 29, 2008

Bizarr

Jede Nation hat so ihre mehr oder weniger liebenswerten Eigenschaften, Traditionen und Besonderheiten. Also wir Deutsche zum Beispiel lassen gerne Züge in Tierherden krachen. Gibt so hübsche Muster! Nachdem neulich ein ICE eine Schafherde riss, eiferte dem nun ein mutiger Regionalexpress nach und griff sich gleich eine Kuhherde. Wenn man das weiter denkt, wird sich wohl die Harzer Schmalspurbahn mit Elefanten anlegen müssen.

Unsere lieben österreichischen Freunde plagen allerdings andere Probleme. Die Zahl privat betriebener Kerker fängt dort an etwas unübersichtlich zu werden. Amstetten musste gerade die Einwohnerzahl deutlich nach oben korrigiert. Der Sauerstoffmangel in der dünnen Luft der Alpenrepublik treibt bizarre Blüten.

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Donnerstag, Januar 10, 2008

Seniorenkriminalität

Seit Tagen nun schon dieser Würgereiz! Wenn das so weitergeht, sollte man sich glatt noch Medikamente besorgen. Roland Koch (CDU, Ministerpräsident Hessens) ist ziemlich unumstritten das garstigste Politgeschöpf im Land. Da ist man Kummer gewohnt. Seine aktuelle Kampagne zwecks Erhaltung der Mehrheit in seinem Land ist aber so fadenscheinig, billig, platt und die Wähler für saudumm haltend, dass einem der Atem stockt oder eben elementare Körperreflexe ausgelöst werden.

Ok, ok! Es gibt Jugendgewalt und die ist auch nicht nett. Die Ursachen gleichen einem bunten Strauss aus den sozialen Problemen unserer Gesellschaft und den menschlichen Abgründen prügelnder Idioten. Das Thema nun aber 3 Wochen vor der eigenen Landtagswahl in Form einer konzertierten Aktion für sich zu entdecken, ist schon atemberaubend. Dies um so mehr als die Zuständigkeit für die Kriminalitätsbekämpfung in seinem Land seit locker einem Jahrzehnt bei ihm liegt. Schnelligkeit und Ausstattung von Polizei, Justiz und Strafvollzug? "Na mach doch!" möchte man ihm ins feiste Angesicht rufen, nein schreien. Da an den Zuständen in der CSU regierten Münchener U-Bahn ja nun schlecht die Schwesterpartei Schuld sein kann, muss die Schuld wohl beim Bund liegen. Dort regiert blöderweise auch die CDU. Der war das Thema bisher kein Runzeln wert. Na vielleicht merkt es ja keiner. Schuld ist im Zweifel dann die eigene hessische Opposition. Ypsilanti - die heißt schon so verdächtig.

Nichts gegen einen zugespitzten Wahlkampf. Aber doch nicht so billig! Er hat (fast schon offiziell) ein Thema erwählt, welches ihn bisher nicht die Bohne interessierte, von dem alle wissen (sollten), dass es ihn in 2 Wochen auch nicht mehr interessiert und es nur darum geht, die Stammtische mal kurz an die Wahlurne zu drängen. Unehrlichkeit und Hintertriebenheit sind o.k. Man sollte es nur nicht gleich soo deutlich merken. (Da ist einem die SPD, mit ihrer allerdings nicht gerade die Kernkompetenz der Länder treffenden Mindestlohnkampagne, geradezu sympathisch. Die meinen es zumindest irgendwie ernst und sind nun auch schon länger beim Thema.)

Nachdem letztes Mal die Ausländer das Mittel zum Zweck waren, warteten nun schon alle gespannt, welche Minderheit Federn lassen muss. Zigeuner? Juden? Zuckerkranke? Nein. Die (kriminelle) Jugend! Na die können sich wenigstens wehren.

Übrigens gehört zu Kochs Freundeskreis der nachhaltig vorbestrafte Manfred Kanther (CDU, eilte mit 20 Mill. DM über europäische Grenzen, um die schwarzen Konten seiner Partei zu befüllen). Sollte man da nicht mal eine Gesetzesverschärfung erwägen? Hart durchgreifen? Keine Gefangenen? Warnschußarrest? Jugend ähm.. Seniorencamps? Also dieser Seniorenkriminalität fühlt man sich immer ganz schutzlos ausgeliefert.

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Mittwoch, Dezember 12, 2007

Managerdiäten

Die Politik ist sehr in Sorge um die in der Höhe bedenklichen Abfindungen von Managern in der deutschen Wirtschaft. Es ist schon beruhigend, wenn man sieht, wie aufmerksam die politische Kaste die Empfindsamkeit der Wählerschaft berücksichtigt und die privaten Unternehmen nun doch nachdrücklich auffordert, die zur Vermeidung häßlicher juristischer Auseinandersetzungen bei abrupten Vertragsenden gezahlten astronomischen Summen etwas zu mäßigen.

Als kürzlich die gleichlautende öffentliche Diskussion zur Frage der Diätenhöhe und der hierfür aufgewandten öffentlichen Gelder unschön durchs Land brandete, waren bedauerlicherweise die Empfindsamen an der Abgabe von Presseerklärungen gehindert. Schade eigentlich. Es entsteht ja nun doch ein wenig das Bild, als würde die jetzige Verabscheuung der exorbitanten Managersüssigkeiten doch auch ein klitzekleinesbisschen mit Populismus zu tun haben.

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Samstag, November 03, 2007

Die elfte Plage

Auf arte lief gerade ein sehr schöner Beitrag über die zehn biblischen Plagen. Etwas überrascht war ich, als auch die Lokführergewerkschaft GDL und ihr Vorsitzender Manfred Schell dort größere Erwähnung fanden. Gut - möglicherweise habe ich da auch mal versehentlich umgeschaltet - es würde aber thematisch schon irgendwie passen.

Angesichts des selbstgefälligen Auftretens Schells wird einem die Bahn, unter ihrem mit kärglichen Hungerlöhnen darbenden Vorstand, geradezu symphatisch. Die Bahn könnte derzeit der GDL die Weltherrschaft antragen, Manfred Schell würde ablehnen. Man sieht förmlich wie er im Licht der Scheinwerfer erblüht und sich vor der nahenden Pensionierung und dem zwangsläufigen Absturz zum Modelleisenbahner und nörgelndem Nachbar fürchtet.

1970 € Einstiegsgehalt für Lokführer ist ja auch tatsächlich fast schon ein Verstoss gegen die Menschenrechte! Gut, es ist mehr als das tarifliche Maximalgehalt der Fernfahrer, die müssen bei roten Ampeln ja aber auch noch selbst bremsen. Krankenpfleger, Verkäuferinnen bei Penny, - alle kriegen leuchtende Augen und hätten gerne dieses Einstiegsgehalt als Endgehalt oder zumindest den sauberen und unaufgeregten Arbeitsalltag unserer Helden des Schienenstrangs.

Nun hat das Landesarbeitsgericht Chemnitz entschieden, dass die GDL, im Zuge des Kampfes für die entrechteten proletarischen Klassen, gerne die Bundesrepublik in das vorindustrielle Zeitalter zurück führen kann. Dafür, dass die paar tausend Lokführer sich zukünftig ihren Tarifvertrag nicht mehr mit so Typen wie Zugbegleitern etc. teilen müssen, sollte man auch schon mal bereit sein, einige volkswirtschaftliche Opfer zu bringen. Abgesehen vom eigenen Warten auf den Zug, ist einem der Lokführerstreik vor allem so symphatisch, da eine winzige Berufsgruppe, die eher zufällig technisch bedingt in der Lage ist einiges lahm zu legen, genau dies ausnutzt, um gegenüber den anderen Kollegen eigene Privilegien durchzusetzen. Da könnten sich die Mitarbeiter der Wasserwerke nochmal eine Scheibe abschneiden.

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Donnerstag, Oktober 11, 2007

Was sich neckt

Gibt es eigentlich eine noch nervigere Diskussion als diese übliche Ost/West-Kiste? Nein. Sicherlich nicht. Aber sie wird von erstaunlich großen Teilen der Bevölkerung mit Hingabe zelebriert. Franz Kadell, Chef der Magdeburger Volksstimme, hatte die mutige These aufgestellt, dass Ost- und Westdeutsche sich sehr ähnlich seien. Angesichts der Tatsache, dass die Bundesrepublik derzeit von einer bekennenden Ostdeutschen regiert wird, scheint die Vermutung, die Einheit sei weiter als gedacht, auch nicht wirklich abwegig.

Nun verfügen allerdings Ost- wie Westdeutsche auch über eine beträchtliche Anzahl an ausgewachsenen Toffeln. Der Klassenfeind hat da zum Beispiel Dr. Norbert Rosenwick (kühner Weise wohnhaft im Landkreis Stendal) aufzubieten. Der Volksstimmeleserbriefschreiber diagnostiziert doch tatsächlich, dass viele Ossis den Westen als politisches Feindbild sehen und einen trotzigen Minderwertigkeitskomplex hätten. Bei Letzterem hat er unbedingt recht (Zumindest drängt sich dieser Eindruck zwingend auf, wenn man mal mit Olvenstedter Kampfhundebesitzern oder Rentnern aus dem Kroatenweg gesprochen hat.) Allerdings kuschelt er sich dann in eine gemütliche "armer verfolgter Wessi"-Rolle und gleitet in die beliebten Nazivergleiche ab (ach, bei der Gelegenheit aus aktuellem Anlass an Frau Eva Herman hier noch einmal der wichtige, leider bisher nicht gewürdigte Tipp: Hände weg von Nazi-Vergleichen! Das endet immer im Desaster.).

Na, so ein toffeliger Angriff der Imperialisten führt natürlich umgehend zu einem Bündel von Vergeltungsschlägen. Die Leserbriefseite erscheint demnächst als Sonderausgabe. Besonders gelungen ist ja der von Axel Göritz aus Zerbst: DDR = Freunde, Wärme und Zwischenmenschlichkeit (Es sei denn der Nachbar schluderte bei der Treppenreinigung) BRD = bedingungsloses Konkurrenzdenken, Egoismus und Ignoranz. (Genosse Hieckmann sozusagen als rührend um den Klassenstandpunkt seiner Mitarbeiter besorgter Menschenfreund.) Die Welt ist aus Zerbster Sicht sehr übersichtlich.

Martin Schmitz aus Magdeburg weist zunächst begütigend daraufhin, dass er auch schon mal mit netten Wessis zu tun hatte. Die hatten ihm, vermutlich unter dem Siegel der Verschwiegenheit, verraten, dass der Westen bereits am Ende war ("Wasser bis zum Hals") und nur der Zusammenbruch der DDR das Schlimmste verhinderte. (Herr Schmitz! Sie müssen jetzt tapfer sein! Diese "lieben" Wessis haben sie auf das brutalste verarscht!)

Da man im Ergebnis davon ausgehen kann, dass selbige Leserbriefe (mit umgekehrtem Vorzeichen) auch in der Braunschweiger Zeitung stehen könnten, ist eines mal sicher: Franz Kadell hatte recht! Wir sind uns so ähnlich, dass es einem schon unheimlich wird.

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Dienstag, Oktober 09, 2007

Pyramidenspiel

Es gibt politische Forderungen, die sind so elementar, dass man ihnen einfach nur zustimmen kann. Die mit Abstand eingängigste seit langem war heute in der Volksstimme zu lesen:

"Wir wollen keine 5.000.000 Tote in Streetz!"

........Tja....... ähm .....................................................?..........Tja... Wo müßte man denn da unterschreiben?

Schuld ist - natürlich - wieder einmal Berlin. Da kamen nämlich Bürger auf die phänomenale Idee das Beerdigungswesen zu revolutionieren oder doch zumindest zurück zu den Wurzeln zu führen. Unsere geschätzten Verblichenen sollen verbrannt, in Beton gegossen, auf 90 mal 90 mal 90 cm gepresst(quadratisch, praktisch, gut) und dann zu einer großen Pyramide gestapelt werden. Erfrischend bizarrer Gedanke! Die Pyramide (500 m hoch) soll in Streetz (250 Einwohner) bei Dessau entstehen. Wieso? Wieso nicht?! Die Bundesrepublik hat schon mal 89.000 € spendiert.

Die Streetzer sind, ob der Aussicht eine noch größere Nekropole als Dessau zu werden, nur bedingt erheitert. Sie reagieren sogar etwas bockig - obige Forderung belegt es - und müssen sich nun die Schelte als Kulturbanausen vom Dienst gefallen lassen.

Tatsächlich passt der Gedanke, Gevatter Tod mit einem dermaßen monumentalen, aberwitzigen, monströsen, jede bisherige Struktur sprengenden Gebilde zu huldigen, sehr schön in unsere Zeit. Ruhten früher die Menschen in der Nähe ihrer letzten Wirkungsstätte, in der Nähe von Familie und Weggefährten, entspricht es in Zeiten der Globalisierung, Entwurzelung und Anonymität in der Masse wohl durchaus dem Zeitgeist als Betonwürfel in Streetz zu enden. Die Pyramide sozusagen als finale Plattenbauwohnung.

Das Sachsen-Anhalt unbedingt der geeignete Standort ist - wer wollte es bestreiten? Aber Streetz? Auch der vorgeschlagene Tagebau ist natürlich nur eine halbe Sache (obwohl es zum sonstigen Rekultivierungsprogramm: absaufen lassen, See dranschreiben, der Rest wird Wiese) schon innovativ wäre. Nein, nein! Das Teil gehört nach Magdeburg! Universitätsplatz! Da ist massig Platz und tot ist es auch. Im heute veröffentlichten Stadtteilranking erreicht die Magdeburger Altstadt auf einer Skala von 0 (super) bis 100 (tot) den beachtlichen Wert von 800. Da könnte so eine Pyramide noch für etwas Belebung sorgen.

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Dienstag, September 18, 2007

Eine Nation im Griff des Terrors!

Während die städtische Politik nur mit Mühe aus dem Sommerschlaf erwacht, ist die Bundespolitik schon reichlich in Fahrt. Die Grünen rufen die Afghanische Woche aus und üben sich eifrig im "friendly fire". Es wird sogar mit einer knallharten Enthaltung zum deutschen Militäreinsatz gedroht! Ob die Bundeswehr mit dieser Entscheidung der Partei wird leben können?

Als Bürger beunruhigen einen allerdings andere Sachen. Da wird doch tatsächlich mit einem Atomanschlag auf unsere nette behütete Bundesrepublik gedroht. Bin Laden (Al Kaida)? Nein! Schäuble (CDU)! Trotzdem sollen wir uns das Leben nicht vermiesen lassen! Ist der Terrorismus schon so auf den Hund gekommen, dass die Panikverbreitung auch noch vom Innenminister gemacht werden muss? Was ist los mit Schäuble? Sprachdiarrhoe? Wird es noch mal eine Woche geben, in der er nicht irgendwas abgrundtief absurdes/kurioses/gefährliches/abartiges äußert?

Vielleicht liegts ja am Berliner Trinkwasser. Zumindest scheint der Verteidigungsminister (Jung, CDU) auch nicht ganz unbeeinträchtigt zu sein. Er verkündet markig zur besten Sendezeit, dass er Passagierflugzeuge ratzfatz abschießt! Zack! Man traut sich ja kaum noch an einem Flughafen vorbei. Weiß man schon Näheres? Richtet sich sein Zorn nur gegen Flugzeuge oder sind auch ICE, Linienbus, Taxis oder Carsharing-PKWs auf der Abschussliste. Das Monströse an der Diskussion ist ja, dass man als gut ausgebildeter Terrorist in Mitteleuropa mit so einem Linienflugzeug doch nicht unerhebliche Probleme hat ein Ziel zu finden, bei dem man mehr Leute ausserhalb des Flugzeuges in Mitleidenschaft zieht, als der geschätzte Verteidigungsminister innerhalb des Flugzeugs. Ja, gut - Stadion und Messehallen. Das erfordert aber mega genaues Timing. Atomkraftwerke? Sind doch völlig sicher - sagt die Regierung. Gebäude von Innen- oder Verteidigungsministerium? Das würde eher zu einer deutlichen Beruhigung der öffentlichen Diskussion beitragen- nicht eben das zentrale Ziel Bin Ladens.

Gefährlicher ist ja eigentlich Eva Herman. Da weiss man nie was als Nächstes passiert. Für Frau Herrmann hier ein kurzer Crashkurs im Überleben in der öffentlichen Diskussion: 1. Keine Nazi-Vergleiche! 2. Keine Nazi-Vergleiche!! 3. Polpot- und Stalin-Vergleiche sind ok, wirken aber nicht. 4. Alles andere (Darmspiegelungen live, nackt über glühende Kohlen, Gespräch mit Kerner etc) ist in Ordnung. 5. Auf gar keinen Fall aber Nazi-Vergleiche!!! Ist einer öffentlichen Karriere abträglich. Wirklich wahr.

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Mittwoch, August 08, 2007

Schüler, Schüler du mußt wandern ...

Die Uwe-Küster-Kinderlandverschickung geht wieder um. Da hat Uwe Küster (SPD, Mitglied des Bundestags) es doch wieder geschafft einer Schülerin ein Stipendium in den USA zu besorgen, schreibt die örtliche Presse. Na, da wird er wieder lange mit der US-Regierung verhandelt haben. Geheimdienste mussten überzeugt, Flüge gebucht werden. Ach - und erst die Finanzierung! Der gebeutelte aber großzügige Volksvertreter hat sich das Stipendium ja förmlich vom Munde abgespart. Nix mehr mit Butter. Nein. Gnadenloses Sparen für die netten Austauschschüler war angesagt- könnte man meinen, wenn man so die Text gewordene Pressemitteilung liest.

Is natürlich quatsch. Es ist wie immer das Austauschprogramm des Bundestags. Da war nichts zu besorgen - ist halt da und wird vom Steuerzahler bezahlt. Ist ja auch gut so. Es bleibt eben nur die ewige Frage: Wieso dürfen Bundestagsabgeordnete (nicht nur Herr Küster) eigentlich dieses öffentlich finanzierte Programm zu ihrer eigenen Selbstdarstellung verwenden und sich als netter Onkel mit Spendierhosen darstellen? Politische Aussage? Eigener Anteil am Erfolg? Fehlanzeige.

Immerhin ist man von der Vergabe knuffiger Teddybären an 17jährige nun doch abgekommen. Für den PR-Politbetrieb werden unsere kleinen reisewilligen Racker aber nach wie vor gerne eingespannt. Optimaler wäre ja noch das Küssen eines Babys. Die Säuglingsaustauschprogramme wären zwar konsequenter konnten sich bisher allerdings leider nicht durchsetzen.

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Dienstag, Juni 26, 2007

Achtung! Ruckredengefahr!

Aufgeregtes Rauschen im Blätterwald! Unser aller Bundespräsident Horst Köhler hat doch tatsächlich die Direktwahl für sein Amt gefordert. Macht es Sinn oder nicht? Die Kommentatoren sind etwas uneins. Verwegene verfassungsrechtliche Erwägungen beherrschen die Kommentarspalten.

Schließen wir doch mal die Augen. (Also zum Lesen ruhig wieder aufmachen - vielleicht liest ja aber auch einer vor.) Jetzt stellen wir uns mal so einen Bundespräsidentenwahlkampf vor. Da hängen über all Plakate. Freundliche ältere Herren lächeln von Laternenmasten. Können Sie die Wahlslogans erkennen? Ja, sind wirklich schwer zu entziffern.

"Arbeit statt Losigkeit!" So in der Art etwa? Das kann man doch nicht auf BuPrä-Plakate drucken! Also technisch schon. Wäre doch aber etwas dreist gelogen. Es wird schließlich nicht die Regierung oder das Parlament gewählt - nein. Sondern mehr so die deutsche Antwort auf Queen-Mum. Alle möchten sie knuddeln. Hätte sie nicht so Höhenangst - man würde sie ständig hissen! Gerade weil sie weder behauptet die Probleme zu lösen bzw dies überhaupt zu können und sie zur Abwechslung auch mal nicht im Verdacht steht, an den Problemen schuld zu seien, taugt sie als überparteilicher Nationenkit. Wie unser Horst! Mit Arbeitslosigkeit und ihrer Bekämpfung und dem Rückgang der Gletscher in der Sächsischen Schweiz hat er nix zu tun.

Also noch mal die Augen fest zusammenkneifen. Was steht drauf auf den imaginären aber ehrlichen Plakaten? "Mehr Ruckreden!", "Mit zarten Händen die Staatsgäste beglücken!", "Der Kandidat hat einen süßen Hund!", "Ein Präsident der zuhören kann!", "Gesetze unterschreiben - nur mit bleifreier Tinte!" (Bitte die jeweiligen Parteien jetzt mal selbst zuordnen.) Zugegeben - nicht ganz ohne Unterhaltungswert.

Interessanter Weise quietschten Linke und FDP begeistert auf. Dieses spannende politische Duo sah eine Chance für parteiferne Kandidaten kommen. Sicher - in ernsthafter Diskussion wird das Volk aus seiner Mitte einen bisher unbekannten, partei- und mittellosen aber total netten Menschen erwählen und ihn in einem Triumphzug zu seinem neuen Amtssitz geleiten. Meine Güte - die Beiden leben aber in einer schönen Welt - da wird man ja neidisch. Super Volk was sie sich da gewählt haben!

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Donnerstag, Juni 07, 2007

Glückwunsch

Freudige Nachricht für Jan Ullrich! Ehrlichkeit währt eben doch am längsten, Lügen haben kurze Beine etc.

Völlig überraschend wird heute gemeldet, dass Jan Ullrich so eben die Tour de France (des Jahres 1996) gewonnen hat! Herzlichen Glückwunsch! Gerade in den jetzt schweren Zeiten hilft so ein Sieg, wenn er auch etwas spät kommt (das Siegerpodest ist wohl schon abgebaut).

Da man sich nun entschlossen hat den geständigen Dopingsünder Bjarne Riis als Sieger zu streichen, steht nun der Zweitplazierte sozusagen an erster Stelle. Das war damals kein Geringerer als "uns Ulle". Jan Ullrichs zweiter Toursieg!

Wenn man dieses Konzept mal so zu Ende denkt, wird in einigen Jahren vermutlich ein an Platz 67 stehender bisher unbekannter Radfahrer aus der Uchmuchtischen ASSR die Nase vorn haben. Dabei sein ist alles!

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