Mittwoch, März 31, 2010

Akte fällt Aktenbeauftragten an

Also das kann auch nur Sachsen-Anhalt. Der Stasibeauftragte stürzt über eigene Stasiverstrickungen. Das ist wirklich schwer zu toppen. (Naja, unser Zoodirektor ist wegen Tierquälerei angeklagt, unsere Spielbanken schrieben rote Zahlen - vielleicht ist da doch ein Muster zu erkennen.) Dann diese - eher landesuntypische - Geschwindigkeit des Geschehens! Wenn man beispielsweise erst zum frühen Nachmittag sich gemütlich hinfläzte, um ein wenig die lokale Weltpresse zu studieren und dabei im Hintergrund das Radio lief, konnte sich so etwas wie eine Störung des regionalen Raum-Zeit-Kontinuums ergeben. In der Zeitung ein absonderlichste Dinge äußernder Stasiunterlagen-Beauftragter Gerhard Ruden (CDU), der über eine zweite Amtszeit nachdenkt, im Radio seine Rücktrittserklärung.

Wenn man als Stasibeauftragter gerade einräumen muss, dass jemand zu längerer Stasihaft verurteilt wurde, weil man selbst der Staatssicherheit unschöne Details über dessen Reiseabsichten in das nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet offenbarte, spricht es für eine gewisse Verkennung der Realität, eine zweite Amtszeit anzustreben. Dann die Opfer von Stasi-Verhaftung damit zu konfrontieren, dass sie nach Meinung des Beauftragten ja schließlich selbst an ihrer Verhaftung Schuld sein, ist für die Hauptzielgruppe nur ganz, ganz schwer verdaulich und verkennt ein klein wenig den durchaus auch unerfreulichen Charakter diktatorischer Unrechtssysteme.

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Dienstag, Februar 19, 2008

Christel dreht frei

Die Fusslahmen der Weltrevolution haben nun mit einigen Jahrzehnten Verspätung auch den Landtag in Hannover erreicht. Also zumindest eine. Christel Wegner (Linke und/oder DKP) erfreut die Öffentlichkeit mit einigen schon länger nicht mehr gehörten Evergreens. So hält sie eine Behörde wie die Stasi für einen wesentlichen Bestandteil im Zuge der Absicherung gegen konterrevolutionäre Umtriebe. Auch der antifaschistische Schutzwall, in der gleichgeschalteten imperialistischen Presse als "Mauer" verunglimpft, war ihrer Ansicht nach ein zutiefst humanistisches Bauwerk, welches dazu diente das werktätige Volk der Deutschen Demokratischen Republik vor den hungrigen Fressern aus der BRD und Westberlin zu beschützen.

Jahaha. Da hat sie recht. Um eine menschliche Gesellschaft aufzubauen, müssen eben Köpfe rollen. Nicht zu knapp! Eine Stasi macht nur dann Sinn, wenn man die gefangenen konterrevolutionären Elemente (Christen, Demokraten, bürgerliche Elemente, Links- oder Rechtsabweichler, Maoisten, Anarchisten, Trotzkisten, Briefmarkensammler, Beatmusikfreunde und das ganze Gesocks) dann auch irgendwie ... nunja.... revolutionsverträglich endlagert. Väterchen Stalin hatte da so seine Mittelchen.

Christel hat wirklich sehr schön aufgepasst, was die DDR-Ideologen sich zu den Widersprüchen im real exestierenden Sozialismus so ausdachten. (Der Unterschied zwischen Christel und der SED-Propaganda-Abteilung ist der, dass die DDR-Leute nicht auch noch den Kram selber glaubten, den sie so schrieben. Interessant wären ja Christels Beiträge zur Frage, wieso DDR-Schwimmerinnen so schön tiefe Stimmen hatten. Die Propaganda tat sich damit immer etwas schwer. Auch der auf Westberlin beschränkte Smok-Alarm hatte so seine Tücken.)

Man kann der Linken ja nun wahrlich nicht vorwerfen, dass sie das Gulag-System mehrheitlich für einen erstrebenswerten Ansatz hält. Es muss aber die Frage erlaubt sein, was für geistige Tiefflieger sich eigentlich so auf ihren Listen rumtreiben. Da ergeben sich zwei, drei Glaubwürdigkeitsprobleme. So kann man sich fragen, was z.B. der neue als Monstranz genutzte Pazifismus in der Partei wert ist, wenn Teile das Stasisystem nicht wirklich unattraktiv finden. Wer gegen Pazifismus ist wird erschossen! ?(Wenn Christel ihn kriegt!)

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Freitag, Oktober 26, 2007

Skandale, Skandale, Skandale

Derzeit vergeht ja kein Tag an dem nicht ein oder zwei Skandale in Sachsen-Anhalt aufgedeckt werden. Gerade die CDU legt eine unheimliche Schlagzahl vor. Während die Schönebecker CDU fast schon vergessen ist, war eben noch die auffällige Dichte von CDU-Mitgliedern aus Sachsen-Anhalt am Comer See und die absurde Öffentlichkeitsarbeit des sozialpolitischen Sprechers Thema, da hechelt der Tross schon weiter. Vor dem CDU-geführten Agrarministerium setzt sich eine Mahnwache fest. Gentechnikgegner? Nein. 30 Personalräte aus dem eigenen Ministerium! Wo in anderen Behörden mal ein gesalzenes Memo geschrieben wird, beginnen die Mitarbeiter von Frau Wernicke (CDU) offen zu rebellieren. Staatssekretär Onko Aeikens (CDU) und sein per Staatsanwaltschaft geführter Kampf zur Niederschlagung von internen Widerstandsnestern scheint interessante Früchte zu tragen.

Praktisch zeitgleich gibt es Neues vom Trickser. Was ein bisschen nach Edgar Wallace klingt, meint eigentlich den CDU-Landtagsabgeordneten Steffen Rosmeisl, der, um die eigenen Schäflein im Trockenen zu behalten, das Abgeordnetengesetz schon mal ..naja... gewagt interpretiert. Zumindest hat er in der Rubrik Mediengau mit seinem freimütigen Bekenntnis: "Ja, ich bin ein Trickser." neue Maßstäbe gesetzt hat.

Das ist die Ausbeute von einer Woche! Skandale beginnen langweilig zu werden. Immer dasselbe. Immer die CDU. Was ist da los? Sind die anderen geschickter? Ehrlicher?? Zur Ehrenrettung der anderen Parteien kann man jedoch zumindest auf die Linke verweisen. Die versucht mit Gudrun Tiedge (Linke) gegen die skandalöse Übermacht der CDU gegen zu halten und weigert sich beharrlich Landtagsabgeordnete Tiedge aus dem Stiftungsrat der Gedenkstättenstiftung zurückzurufen. Dort lehnen die DDR-Opferverbände eine Zusammenarbeit mit der stasibelasteten Abgeordneten ab. Die Arbeit des Gremiums ruht seit geraumer Zeit. Ein Zugehen auf die ja vielleicht nicht völlig abwegige Kritik der Opferverbände scheint nicht so richtig abwegig. Allerdings - Gudrun Tiedge hatte vor ihrer Wahl in den Stiftungsrat keinen Hehl aus ihrer Vergangenheit gemacht. Trotzdem hoben CDU, SPD und FDP bei der Wahl brav ihre Händchen! Oh - Nein. "CDU wählt Stasi-Spitzel in Stiftungsrat." Schon wieder ein CDU-Skandal. Na wenigstens hängen SPD und FDP diesmal auch mit drin. Die einseitige Skandalberichterstattung wird einem sonst ja bald peinlich.

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Freitag, Oktober 12, 2007

Das philosophische Quartett

Oha, gaanz große Politik beherrschte heute die Landespresse in Sachsen-Anhalt. Regierungserklärung! Wolfgang Böhmer (CDU, Ministerpräsident) geht diesmal einen Schritt weiter. Er will nicht nur die Regierung erklären, sondern gleich die ganze Demokratie. Tatsächlich ist ein gewisser Informationsbedarf zu erkennen. Karl-Heinz Paqué (FDP) wirft der Landesregierung zum Beispiel Steuererhöhungen und Mindestlöhne vor. Beides waren dann vielleicht eher doch nicht die zentralen Aktivitäten der CDU/SPD-Landesregierung im letzten Jahr (auch wenn die tatsächlichen Tätigkeiten etwas im philosophischen Nebel bleiben.). Möglicherweise nimmt Herr Böhmer Herrn Paqué mal beiseite und erläutert nochmal das mit dem Föderalismus, dem Bund und der Tatsache das die Unabhängigkeitserklärung Sachsen-Anhalts vom letzten Freitag nur ein Gag gelangweilter Mitarbeiter der Staatskanzlei war.

Ansonsten bereitet man sich scheinbar gewissenhaft auf die regionale Umsetzung der Weltrevolution vor. Böhmer scheint ihr allerdings etwas skeptisch gegenüber zu stehen und sieht Sozialpolitik als sicheren Weg in die Diktatur. Wulf Gallert (Linke) hingegen spricht glühenden Blickes: "Demokratie und Sozialismus ist machbar." Gut, vielleicht nicht gleichzeitig - aber immerhin. Angesichts der durchwachsenen Erfahrungen mit dem letzten Sozialismus-Update würde man ja nun doch gerne hören, wie exakt der (demokratische) Sozialismus denn so laufen soll - in Sachsen-Anhalt. Es muss schon mal kritisch angemerkt werden, dass auch in den Bundesländern, in denen unsere beiden großen demokratisch sozialistischen Arbeiterparteien die Macht an sich reißen konnten, die Vergesellschaftung der Produktionsmittel doch nur sehr schleppend voran kommt. (Ohne die Vergesellschaftung ist es ja aber eigentlich weniger Sozialismus sondern mehr schnöde Sozialdemokratie. Bräuchte man eigentlich wirklich zwei sozialdemokratische Parteien?)

Katrin Budde (SPD) vertrat die Ansicht, dass Sozialpolitik nicht sofort ins Chaos führe. Andererseits wäre an der DDR auch nicht alles gut gewesen. Eine zwar etwas extreme aber doch irgendwie nachvollziehbare Position.

Wenn nun allerdings der geneigte interessierte Bürger sich aus den Veröffentlichungen bezüglich der Regierungserklärung Hinweise auf den weiteren Kurs der Landesregierung erhoffte: Fehlanzeige. (Der Name Regierungserklärung nährt da unbegründete Hoffnungen) Es bleiben zwei Ergebnisse haften:

1. Sozialpolitik wird von Teilen der Regierung als nicht ungefährlich eingeschätzt.
2. Die Einführung einer Diktatur scheint nicht unmittelbar bevorzustehen.

Vielleicht erklärt der Ministerpräsident demnächst neben der Demokratie bei sich bietender Gelegenheit auch einen gegebenenfalls bestehenden Regierungskurs.

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Donnerstag, Oktober 11, 2007

Was sich neckt

Gibt es eigentlich eine noch nervigere Diskussion als diese übliche Ost/West-Kiste? Nein. Sicherlich nicht. Aber sie wird von erstaunlich großen Teilen der Bevölkerung mit Hingabe zelebriert. Franz Kadell, Chef der Magdeburger Volksstimme, hatte die mutige These aufgestellt, dass Ost- und Westdeutsche sich sehr ähnlich seien. Angesichts der Tatsache, dass die Bundesrepublik derzeit von einer bekennenden Ostdeutschen regiert wird, scheint die Vermutung, die Einheit sei weiter als gedacht, auch nicht wirklich abwegig.

Nun verfügen allerdings Ost- wie Westdeutsche auch über eine beträchtliche Anzahl an ausgewachsenen Toffeln. Der Klassenfeind hat da zum Beispiel Dr. Norbert Rosenwick (kühner Weise wohnhaft im Landkreis Stendal) aufzubieten. Der Volksstimmeleserbriefschreiber diagnostiziert doch tatsächlich, dass viele Ossis den Westen als politisches Feindbild sehen und einen trotzigen Minderwertigkeitskomplex hätten. Bei Letzterem hat er unbedingt recht (Zumindest drängt sich dieser Eindruck zwingend auf, wenn man mal mit Olvenstedter Kampfhundebesitzern oder Rentnern aus dem Kroatenweg gesprochen hat.) Allerdings kuschelt er sich dann in eine gemütliche "armer verfolgter Wessi"-Rolle und gleitet in die beliebten Nazivergleiche ab (ach, bei der Gelegenheit aus aktuellem Anlass an Frau Eva Herman hier noch einmal der wichtige, leider bisher nicht gewürdigte Tipp: Hände weg von Nazi-Vergleichen! Das endet immer im Desaster.).

Na, so ein toffeliger Angriff der Imperialisten führt natürlich umgehend zu einem Bündel von Vergeltungsschlägen. Die Leserbriefseite erscheint demnächst als Sonderausgabe. Besonders gelungen ist ja der von Axel Göritz aus Zerbst: DDR = Freunde, Wärme und Zwischenmenschlichkeit (Es sei denn der Nachbar schluderte bei der Treppenreinigung) BRD = bedingungsloses Konkurrenzdenken, Egoismus und Ignoranz. (Genosse Hieckmann sozusagen als rührend um den Klassenstandpunkt seiner Mitarbeiter besorgter Menschenfreund.) Die Welt ist aus Zerbster Sicht sehr übersichtlich.

Martin Schmitz aus Magdeburg weist zunächst begütigend daraufhin, dass er auch schon mal mit netten Wessis zu tun hatte. Die hatten ihm, vermutlich unter dem Siegel der Verschwiegenheit, verraten, dass der Westen bereits am Ende war ("Wasser bis zum Hals") und nur der Zusammenbruch der DDR das Schlimmste verhinderte. (Herr Schmitz! Sie müssen jetzt tapfer sein! Diese "lieben" Wessis haben sie auf das brutalste verarscht!)

Da man im Ergebnis davon ausgehen kann, dass selbige Leserbriefe (mit umgekehrtem Vorzeichen) auch in der Braunschweiger Zeitung stehen könnten, ist eines mal sicher: Franz Kadell hatte recht! Wir sind uns so ähnlich, dass es einem schon unheimlich wird.

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Dienstag, Juni 12, 2007

Stasi-Lotterie in der Kritik

Die Stasi-Unterlagenbeauftragte des Bundes weist aus gegebenem Anlass auf Folgendes hin:

Das Ministerium für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik und die Industrie- und Handelskammer Magdeburg sind zwei formal unterschiedliche Organisationen. Keinesfalls ist es so, dass jedes IHK-Mitglied, sei es auch im dortigen Vorstand, zwingend Mitarbeiter der Staatssicherheit gewesen sein muss. Könnte schon, aber eben nicht muss! (Auch umgekehrt gilt, dass nicht jeder Stasi-Mitarbeiter bei der IHK ist.)

Gegenteilige "vielleicht etwas leichtfertig"e (Ruden über Ruden) Äußerungen des sachsen-anhaltinischen Landesbeauftragten für Stasi-Unterlagen Gerhard Ruden (CDU) entspringen möglicherweise einem Fehler im Handbuch oder einer sonstigen Laune der Natur. Es wird gebeten die Stasi-Lotterie (erst willkürlich Personen outen, dann schauen ob der Geoutete gesteht oder dummes Zeug redet) wieder einzustellen.

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Mittwoch, Mai 09, 2007

Stasi in die Produktion

Die Mitarbeiter der Magdeburger IHK haben es derzeit nicht leicht. Da werden eifrig Sandsäcke geschleppt, wird Nato-Stacheldraht entrollt, Türen gepanzert und MG-Nester eingerichtet. Sicherlich werden im Keller schon Transparente bemalt: "Hieckmann bleibt Präsident!", "Die Stasi nahm nur die Besten!", "Alles für das Wohl des Volkes" etc. Man bereitet sich auf eine längere Belagerung vor.

Wolfgang März (CDU), IHK-Hauptgeschäftsführer musste sich nun von der Volksstimme (Seite 2 des Landesteils) sogar der Verbreitung unwahrer Tatsachen bezichtigen lassen. Als Schild und Schwert der IHK hat man derzeit einiges einzustecken. Dazu blickt er so finster auf einem Freundschaftsbild neben Hieckmann, dass man hofft, ihm nicht nachts alleine über den Weg zu laufen.

Draußen vor der IHK-Zentrale (einem ehemaligen Kino, welches unter Verlust von Arbeitsplätzen übrigens Anfang der Neunziger der IHK weichen musste) rotten sich Sozialdemokraten, Grüne und Opfer des Stalinismus zusammen und fordern die Auslieferung des der Stasimitarbeit überführten Präsidenten.

Schon etwas rußverschmiert, im Schein lodernder Fackeln und rauchender Nobelkarossen werden aus dem Befehlsstand die üblichen Durchhalteparolen abgesondert: Prösidium und Hauptgeschöftsführung stöhen UN ER BÖTT LICH an der Seite des Prösidenten. Es sei mit einer längeren Auseinandersetzung zu rechnen. März: "Die Unternehmerschaft setzt sich damit intensiv auseinander." Also dann: Helm ab zum Gebet!

Nun liegt es doch eigentlich auf der Hand, dass die Präsidentschaft für Herrn Hieckmann nie wieder so schön wird, wie sie einmal war. Immer wenn er irgendwo erscheint, wird in den Köpfen der Besucher der Gedanke gebildet: "Der war also mal bei der Stasi". Diverse Menschen im politischen Bereich werden diesen Gedanken auch immer wieder laut formulieren. Die Akzeptanz des offiziell seriösen Amtes bricht in sich zusammen. Die Arbeits- und vor allem Repräsentationsfähigkeit der Magdeburger IHK geht derzeit gegen Null und wird sich unter Hieckmann nicht mehr normalisieren. 61 ist er nun auch schon.

Die Situation schreit nach Rücktritt, wenn man die Kammer des Schreckens vor schlimmeren bewahren wollte. Diese Realität wird im Bunker jedoch nicht mehr erkannt. Irgendwie bleibt Hieckmann sich damit natürlich auch treu. Er war bereit Kollegen über die Klinge der Stasi springen zu lassen, um seine Karriere voranzutreiben - er ist bereit das Ansehen der IHK zu versenken, um Präsident zu bleiben.

PS: Man kann Klaus Hieckmann natürlich auch verstehen. 1989 forderten alle "Stasi in die Produktion". Er macht das - und nun ist es auch wieder nicht recht.

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Montag, Mai 07, 2007

Hätten Sie gewußt, dass...

... die Industrie- und Handelskammer Magdeburg "den imperialistischen Gegner an der unsichtbaren Front unter Anwendung spezifischer Mittel und Methoden" bekämpft und die Führungsebene, IHK-Präsident Klaus Hieckmann, "aus marxistisch-leninistischer Überzeugung" handelt? Tja, unsere Wirtschaftslenker sind ja immer für eine Überraschung gut: Die IHK als Arbeitsgruppe der Marxistisch-Leninistischen Partei (MLPD) - sieh an - wen der Böhmer sich so als Berater gönnt!

Nach dem Hieckmann nun als Gefolgsmann der Stasi enttarnt wurde, könnte man ja auf den Gedanken kommen, dass vielleicht ein ... Rücktritt? Ist doch eigentlich schon irgendwie peinlich. Ein vernüftiges Arbeiten dürfte ausgeschlossen sein - wenn die Geschäftspartner nun ihre Schreiben immer mit "Sozialistischem Gruß" unterzeichnen. Aber es gilt: Karrieristen aller Länder - vereinigt Euch! Der Hauptgeschäftsführer der IHK, Wolfgang März (CDU), ist nicht etwa verblüfft. Nein. Das ist doch nicht neu, sagt er. Genosse... ähm Präsident Hieckmann hatte doch bei seiner Wahl vor zwölf Jahren ausdrücklich gesagt, dass er in der DDR mit allen Institutionen zusammengearbeitet hatte. Also Junge Pioniere, GST, Vogelkundler, Redaktion der Sowjetfrau und eben Stasi - war doch immer klar. Meint der sonnige März, dessen Partei sonst erheblich aufgeregter ist, wenn man mal einen PDS-Angehörigen ein wenig mit Stasi am Zeug flicken kann..

Ganz überraschend kommt es allerdings tatsächlich nicht. Bei keiner Organisation weicht der offizielle Anschein der Seriosität so stark von der tatsächlichen Halbseidigkeit der Handelnden ab, wie bei der (Magdeburger) IHK. Gut dotiert haben einige Personen die IHK geentert. Sie profitieren davon, dass die tausenden Zwangsmitglieder neben der zwangsweisen Einziehung der Beiträge nicht auch noch bereit sind zu irgendeiner Veranstaltung der anachronistischen Kammer zu rennen. Da kann man dann gemütlich mit den Beinen baumeln und gutbezahlt ein wichtiges Gesicht machen.

Herr Hieckmann wurde 1986 übrigens von der fiesen totalitären Staatsmacht auf das übelste in die Pflicht genommen, gibt er zu verstehen. Drohte ihm Gefängnis? Politische Verfolgung? Naja.... fast. Er wollte doch so gerne Generaldirektor werden! Hatte man gedroht ihm das zu verweigern? Also nicht so direkt. Er hatte aber die Befürchtung, dass man ihm "vielleicht einen Strich durch die Rechnung macht". Da hatte er "keine Alternative"! Ein wirklich erschütterndes Schicksal. Da wäre er vielleicht poppeliger Direktor geblieben! Da meldet man doch lieber in höchster Not an die Genossen, dass der zu überwachende "keine klare politische Ausstrahlung" habe und "überheblich und arrogant" sei. Ob das wirklich förderlich für die Karriere des Bespitzelten war?

Es sind genau diese, nur für das eigene Fortkommen Andere gegen die Wand laufen lassenden Leute, vor denen es einen Ekeln sollte. Überzeugungstäter ändern vielleicht ihre Überzeugungen. Charakterlich Mängelbehafte bewahren ihre netten Eigenschaften auch im neuen System.

Nun will Herr Hieckmann, der überhaupt nicht an seinem Sessel klebt, zunächst einmal die Haltung der "Wirtschaft" abwarten. Schließlich ist er doch unverzichtbar. Das Planetensytem kreist praktisch um ihn. Seine Spezis werden ihm sicher fett auf die Schulter klopfen. Sie hätten genau so gehandelt - werden sie ihm sagen. Kammer ohne Hieckmann? Das ist wie Sommer ohne Sonne. Sollen wir denn alle verhungern?

Demokratie lebt ja bekanntlich vom mitmachen. Unter kammer@magdeburg.ihk.de kann man sich am Schulterklopfen beteiligen.

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Montag, März 26, 2007

Saubär

Es war ja nicht alles schlecht - hört man immer mal wieder. Der fortschreitenden Zeit geschuldet sind damit heutzutage nicht mehr die Autobahnen gemeint, sondern die Errungenschaften der Deutschen Demokratischen Republik, seien es nun Knusperflocken, Vita-Cola, FKK oder der Grüne Pfeil. Eine besondere Hassliebe verbindet den Ostdeutschen mit der schon zu DDR-Zeiten arg bespöttelten Subbotnik-Tradition.

So ist es auch heute in Magdeburg noch Brauch, die Bevölkerung an einem Sonnabend zu den Besen und Harken zu rufen, auf dass sie die Optik der Stadt etwas aufhübschen. Natürlich kommt (freiwillig) praktisch keine Sau - fast wie früher. Lediglich einige Stadträte lotsen ihre Familien aus dem gemütlichen Heim, damit sie unter Aufsicht von Amtspersonen den Müll wegräumen, den die Bürger sonst so verbreiten. Der Stadtgartenbetrieb würde es wegen der finanziellen Probleme allein nicht schaffen, heißt es. Zwar ist von Massenentlassungen im Zuge der aktuellen Haushaltssperre nichts bekannt geworden - aber es wird schon irgendwie stimmen.

Bürger! Traditionen soll man pflegen. Also eilt heraus. Wienert mal so richtig einen Postbriefkasten, wenn ihr einen findet. Mit dem Handstaubsauger mal kurz durch die Telefonzelle und dann die nächste Parkbucht gefegt. In anderen Städten hat es sich bewehrt kleine Fähnchen in Hundekothaufen zu stecken, um diese zu verschönern und den Reinigungsunternehmen die Suche zu erleichtern. (Die einseitige Nutzung US-amerikanischer Fähnchen bitte jedoch aus Gründen der nationalen Sicherheit unterlassen!) Es gibt viel zu tun - packen wir es an.

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Montag, Februar 19, 2007

Teddy der Herzen

Revolutionäre Situation im Stadtrat! Beinahe könnte Magdeburg nun stolz den Ehrentitel Ernst-Thälmann-Stadt tragen. Doch dieser Antrag und der auf Umbenennung des Doms in Ernst-Thälmann-Dom bleiben (vorerst) ungestellt.

Der Reihe nach. In grauen Vorzeiten, als Parteisekretäre und Betriebsgewerkschaftsleitung sich noch freudigen Umtrunken in der Dienstzeit hingaben, der Abriss von Magdeburg-Stadtfeld in der (internen) Diskussion war, Wahlen schöne Ergebnisse von 99,8 % erbrachten und die Elbe sich ihren Weg zur Nordsee frei ätzte, ja da war man auf den Gedanken verfallen, den größten Betrieb der Stadt mit dem schönen Namen "Ernst Thälmann" (liebevoll darf man auch Teddy sagen) zu schmücken. Wieso Thälmannwerk? Nun ja - (Teddywerk wirkt irgendwie komisch.) Also nicht, dass Thälmann mit dem Werk mal was zu tun hatte. Aber er war doch unser großes Vorbild! Altstalinist, deutscher ArbeiterFührer, entschiedener Gegner der Weimarer Republik, keine Haare, KPD und ja, das sollte man ihm zugute halten, Antifaschist.

Wie sich herumgesprochen hat, wurde der von Thälmann propagierte Stalinismus mit menschlichem Antlitz jedoch in einer Rückrufaktion vom Markt genommen. Das Thälmannwerk gleich mit. Das ganze Thälmannwerk? Nein! Eine kleine heldenhafte Bahnstation trug bis heute den schicken Namen. Nun räusperten sich die heutigen gewerblichen Anbieter und wandten spießigerweise ein, dass sie schon länger nicht mehr Thälmannwerk heißen (und vermutlich auch den kommunistischen Gedanken nicht mehr ganz in der gewohnten Weise pflegen).

Da dachte sich die Stadtverwaltung: das Anliegen sei spießig - aber nachvollziehbar. Der Hauptbahnhof von Chemnitz heiße ja auch nicht mehr "Karl-Marx-Stadt Hbf". Das Anliegen wurde dem Stadtrat vorgetragen. Es kam was kommen mußte. Die PDS-Fraktion übernahm die Rolle des revolutionären Wächterrats und sah sich im Falle der Umbenennung um die Früchte der Befreiung vom Faschismus gebracht. Vergessen die Neujahrserklärung mit dem Kampf um Arbeitsplätze und Investoren. Teddy bleibt! Gemeinster aus der Reihe der Teddy-Räuber: Alfred Westphal (Grüne). Er holte die größte im verbalen Arsenal befindliche Keule hervor, schlug auf die PDS ein und dann vor, sie könne sich ja auch in SED umbenennen. Revolution! Der spanische Bürgerkrieg war dagegen eine gepflegte Kaffeefahrt. Die Volksstimme war so aufgeregt, dass sie die FDP als FPD bezeichnete. Aus den Reihen der CDU wurde das Ableben des Thälmannwerks, immerhin ehemals größter regionaler Arbeitgeber mit mehr als 10.000 Beschäftigten, mit einem gepflegten "Zum Glück" betitelt. Arbeitsplätze sind schon eine feine Sache - doch aber nicht, wenn ein missliebiges Firmenschild am Eingang hängt!

Als sich der Rauch verzog, hatte der Stadtrat den stalinistischen Umtrieben auf Bahnhofsschildern ein Ende bereitet. Das Thälmannwerk ist nicht mehr!

Kopf hoch! Genossen! In Euren Herzen lebt Teddy weiter - das ist es was zählt!

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Sonntag, Januar 21, 2007

Zurück nach vorn...

...überschreibt Wolfgang Böhmer (CDU), Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, seinen Jahresrückblick, läßt uns der Elbe Report wissen. Da will man nicht wirklich widersprechen - auch wenn man vor dem geistigen Auge einen Uhu sieht, der seinen Kopf um 360 Grad dreht. Für Menschen eher ungesund.

Nun will sich der Ministerpräsident jedoch in die Denkweisen und Befindlichkeiten der Menschen versetzen. Was sollte man da tun? Herr Böhmer kam auf das Naheliegendste - er liest Zeitungen aus dem Jahr 1987! Auch nach heutigen Maßstäben ist die Volksstimme von 1987 ein eher bedenklicher Jahrgang. Die Denkweise der Menschen damit kennenlernen zu wollen, ist sogar schon abenteuerlich. Wir und wohl auch die Journalisten haben die Zeitungen ja damals selbst nicht verstanden. Berichte von Ernte- oder Braunkohleschlachten, Jugendbrigaden mit einem Durchschnittsalter von 45 etc. - Zeitungen aus dieser Epoche sind komplexe Rätsel. Nostradamus Texte sind dagegen realistische Dokumentationen. Die fünf Hauptfeinde des Sozialismus? Frühling, Sommer, Herbst, Winter und ungünstige Witterungsbedingungen!

Mal sehen wie sich der Ausflug in die Vergangenheit auf die Landespolitik auswirkt. Wenn zukünftig die Presseerklärungen wieder mit "1000 Tonnen Obst" überschrieben sind - wundern würde es nicht!

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