Donnerstag, April 08, 2010

Tanz den Crazy Gerhard

Neulich im Theater: Das Stück war gut. Die Massen hatten sich köstlich amüsiert, zum Teil sogar erregt. Der Vorhang war nun aber unten und die kosovarische Putzfrau fegte die Bretter die die Welt bedeuten. Das Publikum hatte den Saal weitgehend verlassen ... da geht plötzlich der Vorhang wieder hoch. Überraschte Stimmen rufen: "Es geht weiter!" Eiliges Getrappel. Zu schriller Musik springt plötzlich der ehemalige Landesstasibeauftragte aus der Kulisse und tanzt den "Crazy Gerhard". Steh ich oder lieg ich? Auf der Seite oder auf dem Bauch? In Form eines Gangsta-Rappers belöffelt er das faszinierte Publikum, zeigt den Stinkefinger und ruft als Refrain immer "Ehemalig? Was heißt hier ehemalig?" ... Hat da jemand heimlich Akten geraucht?

Vorstehendes ist fiktiv - allerdings nur soweit es die kosovarische Putzfrau betrifft. Gerhard Ruden (CDU) hat nach seinem nicht so sehr tief bedauerten Rückzug vom Amt des Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen jetzt mitgeteilt, dass er erneut zurücktritt - diesmal vom Rücktritt. Tja. Die Volksstimme spekuliert über Versorgungsansprüche, die mit dieser ungewöhnlich gewagten Pirouette gesichert werden sollen. Crazy Gerhard schweigt zum Hintergrund seiner Moonwalk-Einlage. Da sollten wir uns nochmal die Rücktrittserklärung (die muß ja auch schon wieder Tage alt sein!) in´s Gedächtnis rufen.

Ruden damals: "Mit diesem Schritt möchte ich ... das Amt des Landesbeauftragen vor Beschädigung bewahren. ... Ich möchte d[ies]en Opfern auch weiterhin gerade ins Gesicht schauen können."

Kann man nun also schlussfolgern, dass er inzwischen das Amt des Landesbeauftragten nicht mehr vor Beschädigung bewahren will? Auf keinen Fall will er offensichtlich nochmal in diese elenden Opfervisagen sehen. Also nicht wenn ihm dadurch Geld flöten geht!

Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) verbot ihm jetzt die praktische Ausübung des Amtes, welches er jedoch auch weiterhin bekleidet. Der Landesbeauftragte also in einem beamtenrechtlichen Zombie-Status - irgendwie untot. Ob die Amtsgeschäfte dadurch leiden? Andererseits - ein Land in dem Halloween ein Feiertag ist, wieso sollte da nicht ein Zombie-Beauftragter segensreich wirken.

Die Volksstimme hat auf ihrer Titelseite jetzt eine neue Rubrik: "Briefe an Gerhard Ruden". Schul"freund" Lutz-Peter Lehrmann wendet sich so via Volksstimme (was man da an Porto spart!) an seinen Schulkameraden ("Lieber Gerd") und teilt ihm so dies und das mit. Kryptisch äußert er, dass man das Problem 2009 hätte ausräumen können. (Was sollte er denn da machen?) Außerdem sei das Interview zum Kotzen. Eijeh. Werden jetzt alle ehemaligen "Freunde" dazu eingeladen auf der Titelseite auch noch mal "Ätsch!" zu sagen? Da kann er einem ja fast schon wieder leid tun. Mal ehrlich, die Prognose sei gewagt: So einen unterhaltsamen Landesbeauftragten kriegen wir nicht wieder.

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Samstag, März 27, 2010

Tücke des Ehrenamts

Wußten Sie schon, dass 98,53 % der Bevölkerung sich für einen Teilzeit-Ministerpräsidenten erwärmen könnten? 99,47 % würden sogar Teilzeit-Journalismus begrüßen! Trotzdem trieben die beiden Bevölkerungsgruppen - also Ministerpräsidenten und Journalisten - eine Sau beachtlicher Größe durchs Dorf. Das Teilzeitparlament. Also als Idealbild: der Zeitzer Fleischergeselle, der nach hartem Tagwerk nochmal schnell nach Magdeburg eilt, dort die Regierung und ihre Heerscharen von Mitarbeitern kontrolliert, die Richtung angibt, nach einem Schnittchenempfang der Hohenmölsener Goldschmiede-Innung dann noch einen Milliarden Landeshaushalt prüft, korrigiert und verabschiedet und sich zum Tagesabschluss von einigen alkoholisierten Nichtwählern bei Penny anpöbeln läßt.

In Ordnung. Der Alltag diverser Landtagsabgeordneter dürfte tatsächlich von einer stärker ausgeprägten Geruhsamkeit geprägt sein. Wenn man aber die Funktion eines Landtages in einem Flächenstaat ernst meint, wird man nicht umhin können den Fleischergesellen mal für fünf Jahre vom Wurtstschneiden freizustellen, um ihm ein Minimum an ernsthafter politischer Arbeit zu ermöglichen, sonst sackt ihn die hauptamtliche Verwaltung endgültig ein.(Wem das jetzt zu viel Fleisch und Wurst war: Vegi-Tag ist ja nun nicht.)

Dass Wolfgang Böhmer jegliche Denksperren abwirft - auch recht gut begründete - kann leicht auf seinen jugendlichen Übermut zurück geführt werden. Bedenklich sind allerdings sogleich herbei springende Politikwissenschaftler. Da wäre Prof. Wolfgang Renzsch zu nennen, der die Teilzeit-These famous findet (und auch gleich noch eine Direktwahl des Ministerpräsidenten vorschlägt. Auja - Typen wie Marseille endlich eine Chance!) Besonders schwierig: die journalistische Zunft, gerade auch die Volksstimme, die unreflektiert in den Freudentaumel einstimmt. Kaum zu vernehmen (und als garstige Diätenritter abqualifiziert) die Stimmchen der Politkaste, die auf die doch nötige demokratische Kontrolle hinweist. Im Ehrenamt ist ernsthafte Kontrollen nur schwer zu machen.

Wie schwer es Ehrenamtlichen fallen kann, auch kleinere Kähne auf Kurs zu halten, zeigt gerade das ärgerliche Beispiel der beim Verein "Deutsch-Amerikanisches Dialogzentrum" von einem Mitarbeiter entwendeten Gelder. Kein Milliardenhaushalt. Nur bummelige 24.000 €. Trotzdem Existenzkrise. Ich wage gar nicht zu sagen, welcher Politikwissenschaftler hier scheinbar nur mäßig kontrollierend im Vorstand saß, als im Laufe der Zeit ein Mitarbeiter ein ganzes Jahresbudget wegschleppte.

Nein, nein. Um mal mit Lenin und der MLPD zu sprechen: Vetrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Teilzeitabgeordnete scheinen mir in Flächenstaaten keine so gute Idee.

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Samstag, März 01, 2008

Zu wenig Packeis in Sachsen-Anhalt

Es gibt Momente, da wird der Welt oder doch zumindest der restlichen Republik schlagartig bewusst, dass es ein Land gibt, welches auf den lieblichen Namen Sachsen-Anhalt hört. Meist haben diese Momente eine sehr eigene Note. So auch diesmal.

Das Orakel aus der Hegelstraße hat mal wieder gesprochen. Im Kern äußerte sich Wolfgang Böhmer (CDU, Ministerpräsident mit einem Hang zu kryptischen Äußerungen) wohl zur Frage von Kindesmisshandlungen bzw. -tötungen und der unerfreulichen Statistik, wonach dies in seinem Reich üblicher wäre als anderswo. Während man bei rechtsextremistischen Straftaten die Statistik selbst als das Übel ausgemacht hatte, neigte der große alte weise Mann in diesem Fall dazu, die DDR als Schuld am unerfreulichen elterlichen Umgang zu bezichtigen. Da die DDR-Eltern gern mal Ihre Kinder abtrieben, machen sie das halt heute auch noch - nur eben nach der Geburt. (Dass die Bundesrepublik heute im Prinzip die DDR-Fristenregelung übernommen hat, lässt einen ja böses für die Zukunft ahnen.)

Zwar konnte die DDR im Jahr 18 nach ihrem Ableben den Botschafter Sachsen-Anhalts nicht einbestellen, die Bürger und vor allem wohl Bürgerinnen des Böhmerschen Reiches waren jedoch ... sagen wir mal befremdet. Es gab den einen oder anderen Gedankengang, ob der große Denker nicht mehr Zeit am heimischen Herd verbringen sollte. Keine Sorge - muss er nicht.

Es bleibt aber anzumerken, dass die Schuldfrage durch Wolfgang Böhmer nun wirklich nur unzureichend durchdacht worden war. Wenn man mal die DDR als schuldig hinnimmt (bietet sich an, da eigene Verantwortlichkeiten damit praktischerweise ausgeschlossen sind), kommt man ja nicht umhin festzustellen, dass die DDR letztlich darauf beruhte, dass hier das Ende des großen unerfreulichen Krieges im wesentlichen durch die Rote Armee und nicht durch die US-Army herbeigeführt wurde. Wenn aber die Rote Armee eine Bedingung für die DDR setzte, liegt ihre kausale Mitschuld am Elend Sachsen-Anhalts auf der Hand. Allerdings ist ursächlich für die Existenz der Roten Armee nun wiederum die große sozialistische (im November praktizierte) Oktoberrevolution. Diese ist maßgeblich durch Lenin verursacht, der den Ort seines Wirkens per durch Kaiser Wilhelm II. ausgestelltem Freifahrtschein der Deutschen Reichsbahn erreichte. Das für den Status des Kaisers unabdingbare Kaiserreich basiert auf dem 1871 von Frankreich erklärten, jedoch verlorenen Krieg. Womit die Schuld an der sachsen-anhaltischen Misere recht klar bei den geschätzten froschverzehrenden Nachbarn im Westen liegt.

Kritiker dieses Gedankengangs werden einwenden, dass dann aber auch das Abschmelzen des Packeises zum Ende der letzten Eiszeit im heutigen Hoheitsgebiet des böhmerschen Reichs letztendlich zu den fatalen Konsequenzen führte. Man könnte sogar das Auseinanderbrechen des Urkontinents Gondwana als Quelle allen Übels betrachten.

Hmm. Am Ende muss das Ganze doch noch mal überdacht werden. Möglicherweise sollte man das amtierende Orakel um einen Lösungsvorschlag bitten.

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Freitag, Oktober 12, 2007

Das philosophische Quartett

Oha, gaanz große Politik beherrschte heute die Landespresse in Sachsen-Anhalt. Regierungserklärung! Wolfgang Böhmer (CDU, Ministerpräsident) geht diesmal einen Schritt weiter. Er will nicht nur die Regierung erklären, sondern gleich die ganze Demokratie. Tatsächlich ist ein gewisser Informationsbedarf zu erkennen. Karl-Heinz Paqué (FDP) wirft der Landesregierung zum Beispiel Steuererhöhungen und Mindestlöhne vor. Beides waren dann vielleicht eher doch nicht die zentralen Aktivitäten der CDU/SPD-Landesregierung im letzten Jahr (auch wenn die tatsächlichen Tätigkeiten etwas im philosophischen Nebel bleiben.). Möglicherweise nimmt Herr Böhmer Herrn Paqué mal beiseite und erläutert nochmal das mit dem Föderalismus, dem Bund und der Tatsache das die Unabhängigkeitserklärung Sachsen-Anhalts vom letzten Freitag nur ein Gag gelangweilter Mitarbeiter der Staatskanzlei war.

Ansonsten bereitet man sich scheinbar gewissenhaft auf die regionale Umsetzung der Weltrevolution vor. Böhmer scheint ihr allerdings etwas skeptisch gegenüber zu stehen und sieht Sozialpolitik als sicheren Weg in die Diktatur. Wulf Gallert (Linke) hingegen spricht glühenden Blickes: "Demokratie und Sozialismus ist machbar." Gut, vielleicht nicht gleichzeitig - aber immerhin. Angesichts der durchwachsenen Erfahrungen mit dem letzten Sozialismus-Update würde man ja nun doch gerne hören, wie exakt der (demokratische) Sozialismus denn so laufen soll - in Sachsen-Anhalt. Es muss schon mal kritisch angemerkt werden, dass auch in den Bundesländern, in denen unsere beiden großen demokratisch sozialistischen Arbeiterparteien die Macht an sich reißen konnten, die Vergesellschaftung der Produktionsmittel doch nur sehr schleppend voran kommt. (Ohne die Vergesellschaftung ist es ja aber eigentlich weniger Sozialismus sondern mehr schnöde Sozialdemokratie. Bräuchte man eigentlich wirklich zwei sozialdemokratische Parteien?)

Katrin Budde (SPD) vertrat die Ansicht, dass Sozialpolitik nicht sofort ins Chaos führe. Andererseits wäre an der DDR auch nicht alles gut gewesen. Eine zwar etwas extreme aber doch irgendwie nachvollziehbare Position.

Wenn nun allerdings der geneigte interessierte Bürger sich aus den Veröffentlichungen bezüglich der Regierungserklärung Hinweise auf den weiteren Kurs der Landesregierung erhoffte: Fehlanzeige. (Der Name Regierungserklärung nährt da unbegründete Hoffnungen) Es bleiben zwei Ergebnisse haften:

1. Sozialpolitik wird von Teilen der Regierung als nicht ungefährlich eingeschätzt.
2. Die Einführung einer Diktatur scheint nicht unmittelbar bevorzustehen.

Vielleicht erklärt der Ministerpräsident demnächst neben der Demokratie bei sich bietender Gelegenheit auch einen gegebenenfalls bestehenden Regierungskurs.

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Dienstag, Juni 12, 2007

POSTtraumatisch

Eine gewisse Drolligkeit ist den sachsen-anhaltinischen Ordnungshütern und Strafverfolgern nicht abzusprechen. Da stellen sie in Halberstadt ersteinmal die Personalien der überfallenen Theatergruppe fest und wünschen den Tätern noch einen angenehmen Nachhauseweg - also fast. Naja bei Künstlern und fahrendem Volk ist von Alters her eben Vorsicht angesagt.

Nach so einer Aktion steht man als Land etwas in der Kritik. Wichtig ist es da den Humor zu behalten. Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) geht mit gutem Beispiel voran. Es ist weniger die unorthodox agierende Polizei die ihn nachdenklich stimmt. Vielmehr hätten unbeteiligte Zeugen nicht eingegriffen! Schlimm, Schlimm. Wenn sich 18 Personen des Nächtens in Halberstadt eine Schlägerei liefern, würde Wolfgang Böhmer eingreifen! Na die könnten sich alle eine Pfeife anstecken. Natürlich könnte man auch auf den Gedanken kommen, dass das Holen der Polizei gar keine völlig abwegige Idee wäre. Sollte man den Opfern aber wirklich neben den Halberstädter Nazis auch noch die Polizei auf den Hals hetzen?

Wo viel Schatten ist, ist auch enorme Finsternis. Es geht nämlich auch anders. Da haben fiese, gemeine, heimtückische Lausbuben zum Beispiel per anonymer Anzeige behauptet, Hermann Onko Aikens (CDU, Landwirtschaftsstaatssekretär) würde der Vetter- bzw. Günstlingswirtschaft zusprechen. Das würde Onko doch nicht tun! Die Strafverfolgungsbehörden sind außer sich. Zack setzt es zwei Hausdurchsuchungen! Da sind es jetzt nur noch knapp 999.998 Haushalte im Land zu durchsuchen und der Übeltäter ist dingfest gemacht! Weiter so! Nulltoleranz! Beleidigungsanzeigen werden nicht mehr eingestellt! Flächendeckende DNA-Tests und dann lebenslängliche Zwangsmitgliedschaft in der IHK! Da vergeht den üblen Beleidigern und Verleumdern ihr dreckiges Grinsen.

Naja. Andererseits: Über dem neuen Magdeburger Justizzentrum prangt in güldenen Lettern die Inschrift "Deutsche Post". Dafür läuft es doch noch ganz gut.

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Freitag, Juni 01, 2007

Geliebter Führer nimmt Huldigung des Volkes entgegen

Uiiii.... unter gleißendem Licht verglüht die Magdeburger IHK im Firnament. Die IHK-Halbvollversammlung will ihren Hieckmann haben. Na da ist er doch nicht so. Also wenn man ihn so lieb bittet! Wer könnte da wiederstehen? Natürlich bleibt er dann auch Präsident. Demnächst wird er mit Kim Jong Il, dem geliebten Führer des revolutionären nordkoreanischen Volkes zusammentreffen. Da können die geliebten Führer mal so ihre Erfahrungen über den aniimperialistischen Kampf mittels geheimdienstlicher Tätigkeiten und die Unbotmäßigkeiten des undankbaren Volkes austauschen. Andere Gesprächspartner sind derzeit irgendwie knapp angebunden und haben immer so einen ängstlichen Blick, ob sie nicht etwa von der Presse beobachtet werden.

Selbst alte Haudegen wie Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) und Reiner Haseloff (CDU), die in der Sache eine verblüffend hohe Ekelschwelle demonstrierten, zeigen sich ob des unwürdigen Beharrungsvermögen Hieckmanns einigermaßen verblüfft. Böhmer will das Ergebnis respektieren. Glückwünsche klingen sonst irgendwie herzlicher.

Eine wohl von Schwertführer Wolfgang März (IHK-Hauptgeschäftsführer, CDU) eigenhändig verlesene Kommission, war sich nicht zu blöd, die Ansicht zu vertreten, dass die Denunzierung einer Person als "arrogant", überheblich und fehlender Erkennbarkeit des Klassenstandpunkts, keinesfalls gegen die Fortführung der Tätigkeit als IHK-Präsident spricht. (Für die Nachwelt: Diese neuen moralischen Standards wurden von Dieter Feisthauer (Direktor der NordLB a.D.), Gerhard Bertram (IHK-Vizepräsident und total unabhängig) und Nikolaj Tschalamoff (ehemaliger Mitarbeiter des Wirtschaftsministeriums) aufgestellt.)

Die zur Verschwiegenheit über den Verlauf der Versammlung angeregten IHK-Mitglieder können aufatmen. Die an IHK-Mitglieder nach Presseangaben von der IHK ausgereichten Kredite dürften sicher sein. Puuh.

Ob Zwangsmitglieder, die bisher vergeblich versuchten ihre Fesseln zu sprengen, jetzt mit dem Argument des Gewissensnotstandes ihr Ausscheiden aus der semiseriösen Kammer erzwingen könnten? Wer Gewalt ablehnt geht nicht zum Bund. Wer die Stasi ablehnt nicht zur IHK?

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Freitag, März 09, 2007

Muss man denn alles selber machen?

Es gehört zu den beliebten Floskeln jeder ordentlichen Opposition. Wenn die Regierungsfraktionen in ihrem Koalitionsausschuss wieder mal was ausgehandelt haben, was die Opposition im Landtag dann eher formal noch zur Kenntnis nehmen und ihre Ablehnung zu Protokoll geben darf, dann wird gemahnt, man dürfe nicht am Parlament vorbei entscheiden. Das war immer so und wird wohl immer so sein.

In Sachsen-Anhalt ist die Opposition aus PDS und FDP scheinbar so schwach, dass auch diese grundlegende Oppositionsarbeit nun von den Regierungsfraktionen mit erledigt wird.

Da es zwischen SPD und CDU in ihrer Koalition derzeit nicht so richtig klappt, hatten sich nämlich Wolfgang Böhmer (CDU) und Holger Hövelmann (SPD) entschlossen zum Paartherapeuten zu gehen. Ihre Wahl fiel auf den Koalitionsausschuss. Dort könne man doch mal über alle Zwistigkeiten reden und nach Lösungen suchen. Bis dahin (gemeint sind wohl die nahen Kommunalwahlen) sollen doch bitte alle mal die Klappe halten. (Also sie formulierten es netter: Die SPD setze die Gespräche zu strittigen Themen aus.)

Wird die CDU-Fraktion in der Lage sein, diesen gutgemeinten Tipp umzusetzen? Oder wird einer seine Stimme wehklagend erheben? Einer? Es reagierten vorsichtshalber drei! Zunächst schlug Jürgen Scharf, CDU-Fraktionsvorsitzender, dermaßen um sich, dass man annehmen könnte die CDU sei in ihrem eigenem Koalitionsausschuss nicht vertreten. Die Entscheidungen treffe das Parlament (Oha!). Eine Beschleunigung über den Koalitionsausschuss werde es nicht geben! (Was dann doch die Frage nach dem Sinn eines Ausschusses aufwirft.) Detlef Gürth, parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion, ist schier empört. Die CDU-Fraktion sei keine Abnickmaschine. (Ahja. Die CDU/SPD-Koalition hat wohl tatsächlich einen Koalitionsausschuss gebildet in dem nur Vertreter der SPD sitzen. Das war kurzsichtig.)

Dann kam natürlich noch Holger Stahlknecht (CDU). Der für seine Gleichnisse gefürchtete Fraktionsvorsitzende in spe, sah sich gezwungen, die Situation mit einem Bundesligaspiel zu vergleichen, in dem diverse Spieler während des Spiels den Platz zum Duschen verlassen. Gerade den SPD-Spielern warf er dieses unsportliche Verhalten vor. Da bleiben viele Fragen: Wieso keine maritimen Vergleiche? Wer spielte eigentlich gegen wen? Hatte der Schiedsrichter vielleicht abgepfiffen? Was machen die Spieler Scharf, Gürth und Stahlknecht im Dunklen allein auf dem Platz? Wäre kalt Duschen nicht sinnvoll? Wieso braucht die CDU-Fraktion jetzt schon drei Leute um auf die eigene Regierung einzuschlagen?

Als Opposition kann man da nur mit offenem Mund am Spielfeldrand stehen.

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Mittwoch, März 07, 2007

Was sich neckt...

...das liebt sich. Folgt man dieser alten Volksweisheit, haben SPD und CDU in Sachsen-Anhalt gerade knallharten Sex. Wolfgang Böhmer, CDU-Ministerpräsident und "Orakel von der Hegelstraße", sah sich veranlasst in Bezug auf den politischen Lebensabschnittsbegleiter SPD von "Politbüro-Demokratie" zu sprechen. SPD-Chef Holger Hövelmann war nur mäßig amüsiert. Katrin Budde, Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, erkannte in der CDU daraufhin urplötzlich unseriöses Geschäftsgebaren. Mit solchen Leuten will man ja eigentlich nichts zu tun haben.

Naja - am 22. April sind die Kommunalwahlen auf dem flachen Land. Danach wird man sich sicher wieder herzen und knuddeln, dass dem gemeinen Wähler Hören und Sehen vergeht.

Interessanterweise plant die CDU-Landtagsfraktion nächste Woche, noch vor den Wahlen, die Aufführung des internen Schlammcatchen Scharf vs. Stahlknecht. Da kann sich die politische Konkurrenz noch mal so richtig ergötzen. Vielleicht entschädigt das ja auch für einige zärtliche Ruppigkeiten dieser Tage.

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Dienstag, Februar 13, 2007

Das Orakel der Staatskanzlei

Unser Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) hatte ja neulich das Lesen von Zeitungen aus der DDR-Zeit empfohlen und damit für viele verblüffte Gesichter gesorgt. Inzwischen scheint er sich bei der Lektüre noch weiter in die Vergangenheit vorgearbeitet zu haben. Derzeit stehen ihm scheinbar antike Quellen zur Problemlösung zur Seite.

Heute wird er mit dem Rat an die jungen Männer Sachsen-Anhalts "Sucht euch dort Frauen, wo es welche gibt!" zitiert. Das Orakel hat gesprochen. Verdatterte Gesichter in reicher Zahl. Es ist wohl das Konzept des Raubes der Sabinerinnen das ihm da vorschwebt. Wenn das so weitergeht ist in nächster Zeit mit dem ersten Spatenstich für den Bau der Böhmer-Pyramide auf dem Magdeburger Domplatz oder sogar einer Planung für eine Kopie des Turms zu Babel zu rechnen.

Benachbarte Bundesländer beäugen nun mißtrauisch unsere Landesgrenzen, ob nicht etwa junge Männer einfallen, Schuhgeschäfte umstellen und die Mädels mit in ihre heimatlichen Burgen schleppen.

Sehen wir es positiv. Unser großer schon etwas angegraute Vordenker hat erkannt, dass junge Frauen überdurchschnittlich stark aus Sachsen-Anhalt wegziehen. Er findet, das ist Mist - auch wenn er sicherlich nicht mehr so genau wüßte warum.

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Sonntag, Januar 21, 2007

Zurück nach vorn...

...überschreibt Wolfgang Böhmer (CDU), Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, seinen Jahresrückblick, läßt uns der Elbe Report wissen. Da will man nicht wirklich widersprechen - auch wenn man vor dem geistigen Auge einen Uhu sieht, der seinen Kopf um 360 Grad dreht. Für Menschen eher ungesund.

Nun will sich der Ministerpräsident jedoch in die Denkweisen und Befindlichkeiten der Menschen versetzen. Was sollte man da tun? Herr Böhmer kam auf das Naheliegendste - er liest Zeitungen aus dem Jahr 1987! Auch nach heutigen Maßstäben ist die Volksstimme von 1987 ein eher bedenklicher Jahrgang. Die Denkweise der Menschen damit kennenlernen zu wollen, ist sogar schon abenteuerlich. Wir und wohl auch die Journalisten haben die Zeitungen ja damals selbst nicht verstanden. Berichte von Ernte- oder Braunkohleschlachten, Jugendbrigaden mit einem Durchschnittsalter von 45 etc. - Zeitungen aus dieser Epoche sind komplexe Rätsel. Nostradamus Texte sind dagegen realistische Dokumentationen. Die fünf Hauptfeinde des Sozialismus? Frühling, Sommer, Herbst, Winter und ungünstige Witterungsbedingungen!

Mal sehen wie sich der Ausflug in die Vergangenheit auf die Landespolitik auswirkt. Wenn zukünftig die Presseerklärungen wieder mit "1000 Tonnen Obst" überschrieben sind - wundern würde es nicht!

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Montag, Dezember 25, 2006

Ho, Ho, Ho!

Ach ja, es ist einem ganz festlich ums Herz. Die Punker vor Karstadt wünschen Frohe Weihnachten. Die Volksstimme erscheint als gedruckte Ausgabe eines evangelischen Radio Vatikan (Ist es für Gottesdienstbesucher eigentlich nicht demotivierend, die Weihnachtspredigt von Giselher Quast schon am 23. zu lesen?). Die Spitzenpolitiker unseres geliebten Sachsen-Anhalts suchen am 24. Menschen auf, die trotz Feiertag arbeiten müssen - die werden sich riesig gefreut haben. Erst Heilig Abend mit Arbeit versaut - dann erscheint auch noch Böhmer!

Da soll auch von dieser Stelle ein Frohes Fest gewünscht werden - egal ob es nun als gesegnetes Fest, Fest der Familie und Menschlichkeit oder als Höhepunkt des persönlichen Kaufrauschs (vermutlich ja wohl als Mischung aus den drei Varianten) begangen wird. Habt Freude! Vergebt wenn ihr hier fies bespöttelt wurdet oder aber (schlimmer noch) unerwähnt bliebt.

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Donnerstag, November 09, 2006

Oppositionelle Umtriebe

Hätten sie es gewußt? Im Landtag gibt es Oppositionsparteien - die Linkspartei und die FDP! Oppositionelle Umtriebe kann man der Opposition in Sachsen-Anhalt eigentlich nicht vorwerfen. Die Opposition ist dermaßen kümmerlich, dass die CDU als größte Regierungspartei sich nun entschlossen hat auch oppositionelle Aufgaben gleich mit zu erledigen. So hat der CDU-Landtagsabgeordnete Uwe Harms den Rücktritt von Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (eigentlich ja auch CDU) gefordert. Die nicht mal abwegige Kritik entzündet sich am herrschenden Wahn zur zwanghaften Bildung von Einheitsgemeinden. Swantje Krista (CDU) meint, die Leute würden sich dadurch verraten und verkaspert fühlen. Nun ja. Böhmer solle gesagt haben, es sei ihm am liebsten, wenn ihn die Fraktion abwählen würde. Mal ehrlich. Da bleibt für eine Opposition natürlich nur noch wenig zu tun.

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Samstag, November 04, 2006

Der alte Mann und die CDU

Unser aller Ministerpräsident Wolfgang Böhmer scheint eine gewisse Freude daran entdeckt zu haben, seine Partei aufs heftigste zu necken. Da haben sich die Christdemokraten gerade mit einem lauten "Hüü" darauf geeinigt im Dezember die Sonntage abzuschaffen (also öffnungszeitentechnisch), da ruft er laut "hott". Kirchen und Gewerkschaften hatten aufgekreischt, was entfernt nach Selbstverbrennungen auf unseren Marktplätzen geklungen hatte. Da sollte man schon vorsichtig sein.

Die Volksstimme diagnostizierte Störungen zwischen Ministerpräsident und, dem hier bereits hinreichend bespöttelten, Fraktionschef Jürgen Scharf. Volksstimme Reporter Michael Bock (scheinbar immer noch nicht von Herrn Ansorge auf der "anderen Ebene" bezwungen (siehe unten)) macht sich dann gleich noch einen Freund in den Reihen der CDU und schreibt: "Scharf wird Führungsschwäche nachgesagt." Man möchte fast schon meinen, sie wird ihm sogar nachgerufen.

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Montag, August 01, 2005

Böhmer gegen Leichentuppern

So ein Mist. Das wohl wichtigste Reformprojekt der sachsen-anhaltischen FDP, wir berichteten, ist vorerst gescheitert. Also keine gelbblauen Leichensäcke und keine Omas in der Tiefkühltruhe. Ministerpräsident Böhmer hat das von Minister Kley (FDP) geplante "modernste Bestattungsgesetz Deutschlands" beerdigt. Wiedervorlage nach dem Endsieg. Also er hat es etwas anders formuliert, inhaltlich kommt es aber hin. Da wird man sich bei der FDP im Wahlkampf nun doch ganz auf die längere nächtliche Beleuchtung des Magdeburger Doms als inhaltliches Standbein stützen müssen.

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