Montag, Mai 11, 2009

Überfremdung

Jetzt geht´s los! Die Volksstimme hat damit begonnen die Kandidaten-Schar für die Magdeburger Stadtratswahl zu outen. Sehr hübsch. Besonders wertvoll die von den Kandidaten selbst formulierten Angaben zum Thema "Mein Ziel". Den Sonderpreis für das abseitigste Ziel im Wahlbereich 1 erhält - mit großem Vorsprung - Frank Theile (Linkspartei). Der ehemalige Oberbürgermeisterkandidat der Linkspartei hat sich nämlich ganz fest vorgenommen im Stadtrat "keine Mittel für deutsche Militäreinsätze" zu bewilligen (ob Ausländische o.k. sind, bleibt bei dieser Antwort offen). Endlich mal ein Politiker der nach menschlichem Ermessen halten wird was er verspricht. Es müsste schon ausgesprochen blöd laufen, wenn Magdeburg sich vom Bund die Zuständigkeit für Kriegseinsätze aufschwatzen lässt. Auffällig ist, dass die Interessen der Stadtteile Rothensee, Neustädter See und Kannenstieg häufig durch Auswärtige wahrgenommen werden sollen. Es droht Überfremdung! Gerade die NPD ist da eine herbe Enttäuschung! Wird doch ausgerechnet von ihr fremdländisches Blut aus der verfeindeten, südlicher gelegenen Neuen Neustadt aufgeboten. Das muss doch jedem kernigen Neustädter See´er einen kalten Schauer des Entsetzens über den heimattreuen Rücken jagen. Auch future (Kandidaten aus Stadtfeld Ost und Sudenburg) sowie der Bund für Magdeburg (Alt Olvenstedt) behelfen sich ausschließlich mit Exil-Kandidaten. Spannend die Tierschutzpartei, die vorsorglich nur parteilose Mitbürger aufbietet - die können wenigstens nicht austreten.

Auch scheint ein Engagement in der Kommunalpolitik einer gedeihlichen zwischenmenschlichen Beziehung eher hinderlich zu sein. Immerhin 62,5 % der Kandidaten geben an ledig, geschieden oder getrennt lebend zu sein.

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Mittwoch, März 11, 2009

König Kunde

Die Volksstimme hat nun aus gegebenem Anlass eine Plakatberatung für ihre Leser ins Blatt genommen und versucht sich in der Dechiffrierung und korrekter Zuordnung der einzelnen Kommunalwahlplakate zu den jeweils richtigen, verschämt auf ihre Urhebernennung verzichtenden Parteien. FDP und future werden - völlig korrekt - enttarnt.

Einige Seiten weiter gibt es einen Grund für die geplagten Magdeburger zum Aufatmen. Endlich wird eines der dringendsten Probleme angepackt. Dem berühmt/berüchtigten Engpass bei den Einzelhandelsflächen in Magdeburg wird der Kampf angesagt. Ein privater Investor und die Stadtverwaltung tragen sich mit dem Gedanken, einen neuen SB-Markt in der Ziolkowskistraße aus der Taufe zu heben. Neulich sollen bei einem Discounter zwei Leute an der Kasse angestanden haben. Da werden noch die Einkaufswagen knapp. Diese Drängelei gehört bekämpft! Erst wenn jeder Kunde seinen eigenen SB-Markt hat, kann von einem halbwegs menschenwürdigen Einkaufserlebnis gesprochen werden. Das wird sich schon auch irgendwie rechnen. Im Zweifel wird für jeden Bürger Zwangseinkauf angeordnet.

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Donnerstag, November 27, 2008

Bestien hinterm Haus

Es häufen sich derzeit etwas die Beschwerden über Kinder. Nicht so sehr über die zündelnde und vandalierende Brut - nein. Das kann man ja verbieten. Es geht um etwas noch Schrecklicheres: Spielende Kinder! Auf Kinderspielplätzen! Eine Bürgerin aus der Victor-Jara-Straße kam sich bei folgender Äußerung in einer Einwohnerversammlung trotz anwesender Presse nicht blöder vor, als sonst auch: "Die Kinder heute die können nicht mehr nur einfach spielen, sondern müssen ja immerzu so quieken. Diese quiekenden kleinen Ungeheuer mindern unsere Wohnqualität!" Tja. Vorsätzliches Quieken! Wo soll das nur hinführen? Früher bei der HJ wurde noch zünftig gesungen. Ein Olvenstedter Bürger war noch einen Schritt weitergegangen und hatte versucht den fiesen Quiekern den Spielplatz auf gerichtlichem Wege zu entringen. Das Gericht zeigte aber ein Herz für Quieker, so dass in Olvenstedt der Spielbetrieb weiter gehen kann. Wie soll man da seinen Hund ordnungsgemäß Gassi führen, wenn der ständig von den von der Rutsche sausenden Kindern getroffen wird?

Kinder neigen bedauerlicherweise dazu überwiegend in Wohngebieten zu leben. Die bei anderen Immissionsverursachern bestehende Verbannung in Gewerbegebiete hat sich in der Kinderhaltung bisher nicht wirklich durchgesetzt. Nun wären die beschwerdeführenden Bürger möglicherweise damit einverstanden, dass man die Spielplätze möglichst weit weg, verkehrsgünstig an einem Autobahnkreuz gelegen unterbringt. Um die Verluste in der kindlichen Population möglichst gering zu halten, empfiehlt es sich allerdings die Zahl der zwischen kindlicher Behausung und Spielplatz befindlichen vierspurigen Durchgangsstraßen auf ein Minimum zu begrenzen. Sprich: Spielplätze gehören zu Wohngebieten wie .. wie .. nörgelnde Nachbarn.

Um das Quieken in den Griff zu bekommen gibt es ja allerdings ein uraltes Hausmittel. Liebe Eltern in der Victor-Jara-Straße und in Olvenstedt! Geben Sie doch bitte ihren Kindern eine handelsübliche Trillerpfeife mit. Vielleicht kann ja auch der Kinderschutzbund mal einen Eimer Trillerpfeifen unters junge Spielplatzvolk werfen. Mit Pfeife im Mund quieken die Racker nicht und wenn doch - hört man es nicht!

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Dienstag, November 25, 2008

Zoo jagt Aldi

Tag für Tag hat nun der Winter neue Angriffe gegen die Stadt geführt und so nach und nach tatsächlich etwas winterliche Stimmung gezaubert. Nur in vertretbarem Maße - versteht sich! Die Stadt muss schließlich sparen. So ist das Zittern der Geschäftsleute vom Neustädter See weniger kälte- sondern mehr zoobedingt, sagen sie. Sorgen bereitet nicht so sehr eine zu befürchtende Luchsmassenflucht, sondern die erwogene Schließung der Magistrale "Am Vogelgesang". Um im internationalen Zoogeschäft mithalten zu können, beabsichtigt nämlich der Magdeburger Zoo eine Erweiterung seines Geländes. (Alleine der Flächenbedarf für das Tigerwelpenschlachthaus stellt den Zoo vor ernste Probleme!) Ins Auge gefasst hat man eine Fläche östlich des Zoos. Als nachteilig erweist sich jedoch die Tatsache, dass der Zoo nicht direkt angrenzt, sondern die Verkehrsader Am Vogelgesang eine trennende Wirkung entfaltet. Da eine Luftbrücke dem steuerzahlenden Steuerzahler (abgesehen von russischen Blockaden) nur schwer zu vermitteln ist, ergab sich die Idee, der Straße Am Vogelgesang wieder mehr Identität mit ihrem Namen zu verschaffen und sie ... nunja ... also ... zu schließen.

Amargedon! Sintflut! Musikantenstadl! Nur mit diesen Katastrophen ist die Zukunft des Stadtteils Neustädter See noch einigermaßen realistisch zu umschreiben, so die ziemlich einhellige Antwort der Bewohner. Nun ist - Hand aufs Herz - die Straße Am Vogelgesang wirklich nur als Schleichweg von Bedeutung. Gebe es sie nicht - keiner käme auf den Gedanken sie zu bauen. Dass die Leute vor Ort ihre liebgewordene Schleichtrasse erhalten wollen - wer wollte es ihnen verdenken. Das Heulen und Zähneklappern der örtlichen Wirtschaft wirkt aber doch etwas aufgesetzt. Wie es der Zufall will war wegen Bauarbeiten die Straße jüngst für fünf Wochen gesperrt (wie jede zweite andere Straße in Magdeburg auch). Die bekundeten Erfahrungswerte der Geschäftsleute: "verheerend", "extreme Einbußen". Da sollte man sich ja vielleicht doch erst einmal die Umsatzzahlen zeigen lassen. Dass die auf die Versorgung der Bewohner des Plattenbaustadtteils ausgerichteten Gewerbe (Aldi) und die von der Nähe des Sees Profitierenden (Bayrischer Krug) ernsthaft nennenswert auf den Schleichweg angewiesen sein sollen, der auch nicht ernsthaft zu Durchgangsverkehr und somit Laufkundschaft führt, mag man nicht wirklich glauben. Angesichts der sehr starken Worte drängt sich so ein wenig der Verdacht auf, dass hier mit dem Totschlagsargument Wirtschaft eine als missliebig empfundene Planung in den großen Rundordner befördert werden soll. Das wäre nicht sooo nett.

Schon peinlich wirken die Hinweise, Aldi habe mitgeteilt, dass es nach Aufgabe der in ihrerer Bedeutung kaum zu unterschätzenden Straße, den Standort nicht mehr für wirtschaftlich hält. Bei einigen 1000 Wohnungen in Sichtweite! Die rührende Standortsorge wäre sinnvoller gewesen, als die Stadtväter (und vereinzelte Stadtmütter) das Band zum 100. oder doch zumindest zum 150. Discounter in der Stadt stolz durchtrennten. (Wenn mehr Discounter als Einwohner vorhanden sind, ist die Marktsättigung nicht mehr weit.) Dass ein seine Besucherzahlen haltender oder ausbauender Zoo für Einzelhandel und Gaststätten auch nicht das Schlimmste wäre sei angemerkt.

Nun ja. Schmankerl am Rande war die Geschlossenheit der Verwaltung. Der Aldi-Vermieter teilte in einer örtlichen Bürgerversammlung dem Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) mit, dass ihm die Stadtverwaltung gerade schriftlich mitgeteilt habe, die Schließung der Straße sei beschlossene Sache. Trümper (Chef der Stadtverwaltung), der gerade die Entscheidung als noch offen bezeichnet hatte, teilte mit: "Das ist die Meinung der Verwaltung, dort wird aber nicht die Entscheidung getroffen." Ähm... Also ist er, als Teil der Verwaltung, doch der Meinung: Schließung ist fein? Beißt sich das nicht ein wenig mit der Aussage zur Offenheit der Entscheidung? Was bedeutet die Aussage, die Meinung der Verwaltung ist nicht identisch mit der (von der Verwaltung vorbereiteten (Zwinker, Zwinker) Entscheidung? Wann war denn eine solche fehlende Identität das letzte Mal der Fall?

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Sonntag, März 30, 2008

Trixi IV

Die Bevölkerungsgruppen der Theaterintendanten und Luchse haben mehr gemeinsam, als man gemeinhin annehmen würde. Zumindest in Magdeburg. Zunächst einmal versuchen die Angehörige beider Gruppen die Stadt zügig zu verlassen. Kündigungsfristen bzw. Strom an den Gitterstäben stellen durchaus Hindernisse dar - aber keine unüberwindlichen. Auch wären beide Gruppen nicht abgeneigt, sich mal einen saftigen Stadtrat zu reißen. Beide konnten jedoch (bisher) noch keinen erwischen!

Verbreitungsgebiet und Bejagung stellen sich aber durchaus noch als unterschiedlich dar. Sollte es dem Zoodirektor Kai Perret, der interessanterweise mit (Betäubungs)gewehr und Luchseinfangmobil auf Titelseiten Furore macht, nicht gelingen seines entlaufenen Schützlings, (also dem Luchs - nicht etwa dem Intendanten) habhaft zu werden, könnte sich die Bewachung und liebevolle Betreuung von Grillgut in einigen Magdeburger Stadtteilen zu einer Aufgabe auswachsen, die das Grillen zur Abenteuersportart macht. Das regionale Luchszentrum teilt mit, dass mit dem Auftreten ausgewilderter Luchsbestände vornehmlich im Bereich des Stadtteils Neustädter See zu rechnen ist. Mit dem Auftreten von Intendanten ist grundsätzlich im ganzen Stadtgebiet, vornehmlich jedoch in Zügen und Autobahnzubringern in Richtung Osten zu rechnen.

Erstaunlich eigentlich, dass der Luchs noch keinen der Situation angemessenen Namen hat. Früher gerieten vergnügungssüchtige Robben, die sich mal eine volle Dröhnung Industrieabwässer gönnen wollten, hin und wieder über die Elbe bis Magdeburg. Die örtliche Staatsmacht wollte die armen Tiere dann jeweils aus dem "Fluss" ziehen, bevor das Elbwasser die Tiere gänzlich skeletiert. Die Tiere zogen jedoch ein Leben in der Kloake der Fürsorge des sozialistischen Staates vor und entzogen sich trickreich dem Zugriff der Staatsorgane. Daher dann der Name "Trixi" (I bis III). Seit dem die Elbe sauber ist, kommen keine Robben mehr. Jetzt haben wir wenigstens Luchse.

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Mittwoch, Februar 28, 2007

Blinddarm-OP

Sie waren ja immer so etwas wie der Wurmfortsatz der Magdeburger Stadtverwaltung, die Arbeitsgruppen Gemeinwesenarbeit. Die Gremien mit dem lieblichen, an bürokratischer Abgehobenheit nur schwer zu überbietenden Namen, sollten offiziell die Bürger eines Stadtgebiets einbeziehen. Die Bürger neigten dazu die GWA`s zu ignorieren. Die Stadtverwaltung war schön unter sich und musste nur hin und wieder verwirrte Rentner rührend betreuen.

In letzter Zeit scheint das Konzept (für manchen beunruhigender Weise) allerdings doch noch aufzugehen. Das so ein Teilhabe-Projekt Erfolg hat, merkt man dann, wenn plötzlich "Personalfragen" ein eigenes Thema bilden. Da wäre der gerade krachend erfolgte Rücktritt des Sprechers der GWA Neustädter See, Oliver Wendenkampf, zu nennen. Die Wellen schlugen verblüffend hoch. Nun ist Oliver Wendenkampf, ehemals auch Vorsitzender der nur mäßig spassigen Spasspartei, allerdings auch immer für eine Überraschung gut.

Den Durchbruch schafften die GWA`s jetzt aber mit dem Führungskampf in der GWA Neu Olvenstedt/Nordwest. 3 (drei!) Kandidaten bewarben sich um den Sprecherposten. Parteipolitische und regionale Interessen wurden ausgetragen! So mußten sich Gerhard Häusler (CDU und Kämpfer für ein unabhängiges Nordwest) und der wohl eher der PDS zu zurechnende Matthias Gehrmann (Bürgerinitiative Neu Olvenstedt) in einer Abstimmung Florian Sosnowski geschlagen geben (Gehrmanns Ergebnis wurde von der Volksstimme höflich verschwiegen).

Wenn es am schönsten ist soll man ja aufhören. Die gerade vom Oberbürgermeister vorgetragene radikale Streichliste sieht auch die völlige finanzielle Entblößung der GWA`s vor. Gerade entwächst der Blinddarm seinen Kinderschuhen - schon wird er radikal entfernt.

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