Dienstag, Mai 20, 2008

Über den Wolken...

Der Sommer naht mit grossen Schritten. In der Presse sind schon erste Übungen für die Sommerlochberichterstattung zu erkennen. Derzeitiger Knüller in Magdeburg: Ufos! Nachdem ein erster Volksstimmeleser akribisch seine Sichtung mitgeteilt und um Hilfe ersucht hatte, häufen sich die Berichte. Angesichts der enormen Flugbewegungen könnte man meinen, die Entscheidung gegen den Ausbau des Flughafens Magdeburg war etwas voreilig - wo doch die Stadt offensichtlich das Zeug zum intergalaktischen Knotenpunkt hat.

Die Auflösung ist allerdings nicht sonderlich spektakulär und wurde im Rest der Welt bereits letztes Jahr bestaunt: asiatische Himmelslaternen die von skrupellosen Partyveranstaltern gestartet werden. Unter den Volksstimmelesern grassiert umgehend die Sorge, ob dass anarchistisch herumfliegende leuchtende Reispapier nicht irgendwelchen gesetzlichen Regelungen zu unterwerfen sei, um nicht näher benannte Gefahren einzudämmen. Tatsächlich weist dann der örtliche flugbewegungsarme Flughafen darauf hin, dass Reispapierlaternen und Luftballons selbstverständlich bei der Luftfahrtbehörde anzumelden sind. Sicherlich mit exakter Route und Zielflughafen. Andererseits: Das Flugzeug, dass nach einer Kollision mit 100 Gramm schwebenden Reispapier zu Boden geht, hat es auch nicht besser verdient.

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Montag, Mai 19, 2008

Flagge im Erdgeschoss

Magdeburg zeigt Flagge. Überraschenderweise allerdings die Tibetische. Magdeburg, die Metropole im Erdgeschoss der Welt, grüßt Lhasa auf dem Dach der Welt. Während der Olympiade wird das edle Tuch vor dem Rathaus wehen und an die Menschenrechte mahnen (Wenn man die chinesischen Gegendemonstranten in Schach halten kann.) Der Stadtrat hat es auf Antrag der Bündnisgrünen so beschlossen. Es herrscht allgemein etwas Verblüffung, da die (spirituelle) Nähe zum tibetischen Hochland eine verhältnismäßig junge Entwicklung in Magdeburg ist. (Tss tss tss - dieser Stadtrat ist immer für eine Überraschung gut. Kunst für eine Million Euro will er nicht geschenkt, die Sache Tibets geht - sympathischerweise, aber nicht zwingend eine Kernkompetenz - recht problemlos durch) Unsere geliebte chinesische Partnerstadt Harbin wird sich vor Freude kaum zu lassen wissen. Als Racheakt wird dort derzeit die Hissung der bayerischen oder - schlimmer noch- der hallensischen Flagge erwogen. Na das ginge aber nun wirklich zu weit. Wenn die Städtepartnerschaft Harbin-Magdeburg das durchsteht, ist da vielleicht doch mehr dran als gedacht.

Kommunalpolitisch hätte eine Hinwendung zum tibetischen System natürlich durchaus interessante Aspekte. Lutz Trümper könnte zum örtlichen Dalai Lama ausgerufen werden und den Job auf Lebenszeit durchstehen. Im Falle seiner Abdankung zöge ein Stadtratsausschuss durch die Kitas, um nach seinem wiedergeborenen Selbst zu suchen. Ein System welches man bei den anstehenden Beigeordnetenwahlen schon mal antesten könnte.

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Samstag, Mai 17, 2008

Rathaus günstig abzugeben

Na nu? Gerade lag doch das Geld noch in üppigen Bündeln rum. Die Tunnelweiterführung bis zum Ural war reine Formsache. Heute nun wieder Heulen und Zähneklappern. Das Geld ist alle! Jetzt will man das Rathaus etc. veräußern und dann zurückmieten. Auf diese Weise könnte man aus Lichtenstein flüchtigen Barvermögen eine Chance geben, doch noch Steuern zu sparen. Dieses nur semiseriöse Geschäft soll 2 Millionen Euro bringen. Bestimmt ließe sich damit das Tunnelgeländer finanzieren.

Claudia Szydzick (CDU) und Hans-Werner Brüning (Linke) zeigten sich ob des Vorschlages "erschrocken". Na wer wird denn so schreckhaft sein. Alfred Westphal (Grüne) sah sich veranlasst sein persönliches Steuergeheimnis zu lüften. Aufgrund geschickter steuerlicher Absetzung des eigenen Gebisses zahlte Vater Staat ihm 221 € zurück. Ob der Verkauf und die Rückmietung seines Gebisses für Investoren allerdings wirklich ausreichend interessant ist, blieb offen. Michael Heendorf (CDU, bekannt aus dem Klassiker ,"Heendorf-Affäre") mahnte Durchschaubarkeit an. Sachen gibt´s.

Ob das Rathaus unter den Hammer kommt bleibt abzuwarten. Es werden nun Angebote erbeten.

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Donnerstag, Mai 15, 2008

Stadt der Grotten

Die letzten Tage lief es in Magdeburg nun wirklich nicht sonderlich gut. Im Fussball musste man eine Niederlage gegen Hölle/Saale einstecken. Die Cragg-Freunde beginnen die Übermacht der dumpfbackigen Blockwarte zu erkennen. Beim SCM treten irgendwie alle zurück. (Sollte da etwa Bernd-Uwe Hildebrandt wieder um die Halle schleichen? Die Täter kehren ja bekanntlich immer zum Tatort zurück!)

Als ob das nicht reichen würde, gibt es auch noch Bedenkliches aus der Führungsriege der Stadtverwaltung zu vermelden. Dort will man einen Tunnel bauen. Ach was. DEN Tunnel! Den größten Tunnel seit Menschgedenken. Wenn an seinem Westende die Sonne untergeht, geht sie am Ostende schon wieder auf. Also fast. Zwischen Damaschkeplatz und Hartstraße soll er sich erstrecken. Die Verkehrsströme in Magdeburg sind so gigantisch - da hilft nur noch ein Mammutprojekt bei dem auch die Pharaonen anerkennend mit der Zunge schnalzen würden - meint die Stadtverwaltung. Der Baubeigeordnete Marx weiss auch zu berichten, dass es das Ding praktisch geschenkt gibt. Förderquote wohl so um die 120 % - zumindest wenn man es offiziell als alpine Champignonzucht laufen lässt.

Die Volksstimme ist hin und weg vor Begeisterung. Die (bis gestern noch gar nicht störenden) Fahrzeuge wären mit einem Schlag verschwunden. Gut. In Höhe Hartstraße, also zwischen Rathaus und Johanniskirche schiebt sich die Hochleistungstrasse dann wieder ans Tageslicht. Damit sich die Ausgabe lohnt, muss da auch ordentlich Verkehr fließen. Eine geradezu grandiose unterirdische Kreuzung Ernst-Reuter-Allee/Otto-von-Guericke-Straße wird die neue Attraktion der Stadt.

Man brauch keine Fantasie um sich die schon fast unsittliche Erregung bei den Stadtratsfraktionen von CDU, SPD und Linken vorzustellen. In solchen Erregungszuständen werden die berechtigten Fragen, was das wirklich kostet, was das dann monatlich kostet und ob es überhaupt Sinn macht den Verkehr dort lang zu führen untergehen. Bis dann mal zukünftige Bewohner unserer Stadt die so geschaffenen Magdeburger Tropsteinhöhlen touristisch vermarkten.

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Taskan schlägt zurück

Hin und wieder erinnert so eine Stadtratssitzung an die guten alten Zeiten, als nicht die GEZ nervte, sondern die öffentlich rechtliche Unterhaltung noch durch Amphitheater sichergestellt wurde. In Magdeburg wurde gerade das Schauspiel Zoodirektor gegen Tiger gegeben. Nach dem der Zoodirektor Kai Perret (im Dienst der guten Sache und im Interesse der Tiger - versteht sich) drei kleine Baby-Tiger zur Strecke gebracht hatte, muss er sich nun mit dem Tiger-Papa anlegen. Angesichts klarer technischer Überlegenheit sollte das kein Problem sein - allerdings hat der Tiger die öffentliche Meinung hinter sich gebracht. Die Leserbriefespalten quellen über. (Zum Teil mit kuriosesten Stellungnahmen. Eine Leserin sorgte sich, wieso nicht auch bei toten Menschen-Babys in gleicher Weise aufgequiekt wird. Keine Sorge. Wenn der Zoo aus Platzgründen das Streichelgehege, inklusive der Streichelnden, ausrottet, dürfte das ebenfalls für ausreichend Aufregung sorgen.)

Der Stadtrat durfte nun mit klassischem Daumen hoch oder runter entscheiden, ob Taskan weiter machen darf. Zwar hielt Walter Meinecke (Linke) so eine Tigertötung für eine durchaus akzeptable Idee (was interessieren schon schwülstige Worte in Parteiprogrammen zum Thema Tierschutz etc.), letztendlich gab es aber ein klares Daumen hoch. Taskan darf weiter machen. Sofort hatte der so ein fieses Grinsen im Gesicht. Sollte ihm der Sinn nach Zoodirektor stehen? Das würde ihn mit den ausnahmsweise im Zorn vereinten Tierschützern einen, die den Zoo-Chef mit Strafanzeigen geradezu eindecken. Die gebannten Blicke der Zuschauer richten sich nun auf den Daumen der Staatsanwaltschaft. Geht er hoch? Darf man also den nervenden Waldi bei Platzproblemen in den Häcksler schicken? Oder geht er etwa runter? Was macht man dann mit einem wegen Verstoss gegen das Tierschutzgesetz angeklagten Zoodirektor?

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Dienstag, Mai 13, 2008

Prioritätenfrage

Es kommt hin und wieder vor, dass Meldungen zeitgleich erscheinen und allein ihre gemeinsame Existenz mehr über einen Zustand aussagt, als dies eine mehrbändige Studie könnte.

Der vierspurige Ausbau des Schleinufers startet in diesem Sommer!
Das Dach einer Turnhalle in Alt Olvenstedt ist eingestürzt!

Nörgeler könnten auf den Gedanken verfallen, dass die Prioritäten hier doch noch optimierbar gewesen wären. Möglicherweise. Andererseits: Können 64 % irren?

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Samstag, Mai 10, 2008

Zoo: Tötet Knut!

Manche Dinge geht man in Magdeburg ja gänzlich anders an, als das andernorts für sinnvoll gehalten wird. Während es zum Beispiel ein Zoo in Berlin nötig hat, seine Popularität mit einem knuffigen Eisbärenbaby etwas zu befördern, greift man in Magdeburg gegen einen "Oh, wie süss!"-Faktor gnadenlos durch. Süss hin, Ethik her - ab auf den Müll mit den Tigerjungen. Rübe runter. Klappe zu - Tiger tot! Zack. Zack. Zack. Drei knuddelige Tigerbabys weniger. Da kann der Zoo doch aufatmen!

Die schockierte Zuschauerschaft ist schon froh, dass der Zoodirektor die Kleinen nicht persönlich totbeißt. Seinen Äußerungen nach wäre er im Interesse des Zoos dazu durchaus bereit. Dem rassisch unreinen Tigerpapa würde man sogar ganz gern noch das Tigerfell über die Ohren ziehen - macht sich bestimmt nicht schlecht als Trophäe am Zoo-Eingang. Nur die zuhauf mit Selbstverbrennung drohenden Rentner, konnten die weitere Tigermeuchelung vorerst stoppen. Möglicherweise gerät Tigervater Taskan demnächst aber in bizarrer Weise unter einen Rasenmäher oder wird auf der Flucht erschossen. Die noch andauernde Flucht des Luchses erscheint so in einem völlig neuen Licht. Wusste er zu viel? Kam er seinen Häschern zuvor?

Wieso, fragt sich der verdatterte Zooliebhaber, weicht der Magdeburger Zoo von seinem bisherigen Image ab und verlegt sich auf die Ausrottung des eigenen Tierbestandes? Zoodirektor Kai Perret argumentiert mit einem Gentest, wonach Tigerbabys und Tiger-Papa leider rassisch unreinen sind. (Da kann man nur inständig bitten, nicht auch noch Löwen, Giraffen, Elefanten, etc. einem solchen Test zu unterziehen - Magdeburg wird glatt noch zu einer großen Nummer im Elfenbeinhandel.) Ein Vorfahre der Sibirischen Tigerlein hatte ein Techtelmechtel mit einem Sumatratiger. Um das Zuchtprogramm nicht zu behindern, müssen aus Platzgründen die Tiger über die Klinge springen. Eine Abgabe an dubiose Händler kommt natürlich nicht in Betracht. Wer weiss was die mit den armen Tigern machen - am Ende landen die noch in irgendeinem Tiergehege, Zirkus oder Safari-Park! Nicht auszudenken. Da machen sie sich doch in der Biotonne viiieel besser.

Der Argumentation des Zoos ist eine interessante zynische Note nicht abzusprechen. Wo genau ist eigentlich der Unterschied zwischen dem, der seinen über die Urlaubstage überflüssigen Hund an der Raststätte aussetzt und dem Magdeburger Zoo, der lästige Tiere einfach tötet. Gut, der an der Raststätte ausgesetzte Hund ist nicht tot. Damit liegen die marktüblichen Tierquäler moralisch sogar noch einige Punkte vorn. Interessant wird es ja, wenn mal jemand anfängt die Staatsanwaltschaft mit einer Anzeige wegen Verstosses gegen das Tierschutzgesetz zu behelligen. Für das Töten süsser Wirbeltiere braucht man eigentlich einen vernunftbegabten Grund. Die Stammelei des Zoos: "Brauchen den Platz für reinrassigere Tiere" - ist alles mögliche, aber eben kein vernünftiger Grund. Dann könnte jeder beim Umzug in eine kleinere Wohnung ein wahres Massaker unter seinen bisherigen Hunden, Katzen, Hamstern und sonstigen nicht humanoiden Familienmitgliedern anrichten.

Der Zoo Magdeburg ist nicht bereit, seine Tiere als eigene Individuen anzuerkennen, für die man Verantwortung hat - auch wenn´s mal blöd läuft. Sind da Tierpatenschaftsvergaben nicht etwas arg verlogen, die ja genau diese persönliche Bindung vorgaukeln? Ist sichergestellt, dass man als Tierpate nicht versehentlich mit gekeult wird, wenn es dem eigenen Liebling aus organisatorischen Gründen ans Leder geht?

Apropos Patenschaften, Spenden, Sponsoring. Ist es unter finanziellen Gesichtspunkt wirklich sinnvoll, Tiere als Müll zu behandeln? Kostet das verlorengehende Wohlwollen und die damit ausbleibenden Einnahmen nicht mehr, als die zeitweiligen Einschränkungen beim Zuchtprogramm wert gewesen wären? Wer spendet schon, um dem Zoo die Tötung der süssen Wollknäuel finanziell zu ermöglichen? Darf man vielleicht zukünftig - gegen eine kleine Spende versteht sich - bei der Schächtung des Tierbestandes mit Hand anlegen? Damit erschlösse der Zoo völlig neue Interessentengruppen! Im Dienste der Wissenschaft versteht sich.

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Mittwoch, Mai 07, 2008

Innenminister XXL

Da soll noch einer sagen in der sachsen-anhaltischen Landespolitik würde nichts geboten. Der Polizei-Untersuchungsausschuss des Landtages wurde Schauplatz eines waschechten Filibuster-Versuchs! Filibuster wird die altehrwürdige Strategie genannt, durch Dauerreden den politischen Gegner an den Rand des Wahnsinns oder eben noch einen Schritt weiter zu bringen. Da sind legendäre 24 Stunden-Reden verbürgt, in denen der Redner, nach dem der eigentliche Inhalt ausgegangen war, Rezepte und Anekdoten zum Besten gab.

Holger Hövelmann (SPD), Innenminister unseres geliebten Landes, setzte in seiner Zeugenbefragung dazu an 145 Seiten zu verlesen. Ob dort auch Rezepte niedergelegt waren entzieht sich leider der Kenntnis, da der Ausschuss bereits nach 15 Seiten schwächelte und sich lieber vertagte. Während ein klassischer Filibuster mit der Verzögerung durch die Endlosrede allerdings irgendeinen Zweck erreichen will, zeichnete sich ein Hövelmann-Filibuster durch eine gewisse Sinnfreiheit aus. Außer dem sadistischen Vergnügen die Ausschussmitglieder mit detaillierten Details über die Polizeiarbeit zu foltern, ist kein richtiger Zweck auszumachen. Möglicherweise besteht ja seitens des Innenministeriums ein gewisses Misstrauen hinsichtlich der Alphabetisierungsrate unter den Ausschussmitgliedern, so dass man (sicher ist sicher) den ganzen Krempel lieber vorliest. Diese Berichte haben ja so schrecklich wenig Bilder.

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