Sonntag, November 18, 2007

Eine Frage der Ehre

Manchmal wird man ja doch von Positionierungen kommunalpolitischer Akteure überrascht. Die Magdeburger FDP z.B. glaubt fest an das Gute im Menschen! Sehr lobenswert! Auch wenn man anmerken möchte, dass wohl kaum ein Glaube so häufig enttäuscht wird. Im Kampf gegen illegale Graffiti hat Holger Franke (FDP) gerüchteweise von einem Ehrenkodex unter Sprayern gehört. Danach scheuen sie von Dritten farblich vorbehandelte Flächen. Wenn man also Stromverteilerkästen selbst bunt überpinselt, bevor die Illegalen kommen - haaa ... da schlägt man ihnen ein Schnippchen! Die Sprayer gehen reuig in sich, satteln um und machen was mit Betriebswirtschaft.

Hmm. Vielleicht sollten doch etwas weniger Mafia-Filme konsumiert werden, in denen man sich zwar gegenseitig umlegt, aber natürlich unter strenger Beachtung der Regeln. Sagen wir mal so. Der Sprayer-Ehrenkodex ist nicht direkt im Grundgesetz verankert. Denkbar, dass 15jährige, die mal ihren Krakel in der Stadt verteilen wollen, ästhetische Gestaltungen von Stromverteilerkästen durch die Jungen Liberalen eher anregend finden. Es stellt sich natürlich auch die Frage, ob die Stadt sich dann ebenfalls dem Ehrenkodex verpflichtet fühlt und bereits besprayte Verteilerkästen (also alle) nicht übermalt. Wäre ja sonst voll uncool.

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3 Comments:

Anonymous Anonym said...

Tja, bei aller Ironie - den Ehrenkodex gibt es wirklich; vergleichbare Vorhaben werden auch andernorts angestrengt:

Beispiele:
Die Eissporthalle in Solingen ist in den letzten Jahren häufig das Opfer unschöner Schmierereien und unprofessionellem Graffiti geworden. Um dies zu vermeiden, möchte sich der Betreiber der Eissporthalle, die Lebenshilfe Solingen e. V., den Ehrenkodex der Graffiti-Szene zunutze machen. Dieser besagt, dass "die meisten Sprayer Respekt vor künstlerischen Werken anderer haben und große Bilder nicht mit eigenen Bildern oder Zeichen übersprühen".
Quelle: http://openpr.de/news/136869/Graffiti-on-ice-Jetzt-wird-gesprueht.html

siehe Diskussionsbeitrag von Lothar auf der Website http://www.razyboard.com/system/morethread-avl-graffiti-delegatic-400361-4661652-0.html, den Text einer Werbeagentur http://www.graffiti-galerie.de/pageID_3750367.html oder das Interview http://hamburger-bildungsserver.de/fishnews/seite1.html

Ergo - eine gute Initiative von Herrn Franke! Sonst breiten sich die illegalen Graffitis noch weiter aus: http://www.farbsucht.de/page.php?mode=pics&cid=n_md

9:16 AM  
Blogger Hildegunst said...

Ja, bei einzelnen Objekten funktioniert es meistens (z.B. Trafohaus Eiskellerplatz). Wenn man es aber zur offiziellen Politik erhebt und den Illegalen zu ruft: ätsch erster! ,habe ich Zweifel, ob das Konzept durchhält. Allerdings wird es wohl auch nicht schaden.

10:54 AM  
Anonymous Anonym said...

Ich bin auch für einen solchen Versuch, der auf den "Ehrenkodex" der Sprayer setzt (selbst wenn dieser nicht überall funktioniert, wie das eine oder andere übermalte Kunstwerk in MD zeigt). Der Hinweis von HILDEGUNST ist treffend: Man sollte sich um stadtteilbezogene Motive kümmern. Das wäre ein tolles Projekt für Schulen. Die Turnhalle an der Wilhelm-Busch-Sekundarschule, die ein schönes Kannenstieg-Motiv zeigt, ist da ein gutes Beispiel. Gut ist auch, wenn Unternehmen einsteigen, so geschehen in MD z.B. mit großflächigen Fliegermotiven in Flughafennähe. Damit löst man natürlich nicht das Sprayerproblem in Stadtfeld ...

H.-J. Sprengkamp

11:10 AM  

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